Der Blick von der Terrasse ist atemberaubend. Er schweift über Weingärten bis hinunter zum See. Im Vorraum des Winzerhauses, das am Berghang lehnt, herrscht künstlerische Unordnung, ebenso im Wohn- und Gastraum: Unzählige Urkunden, Auszeichnungen, Fotos und Gemälde an den Wänden, ein Regal mit Weinflaschen, eine Vitrine mit Gläsern. In der hinteren Ecke ein großer grüner Kachelofen, in der Mitte zwei lange Tische, Stühle. Durch zwei Fenster zum See kommt gleißendes Licht herein. Die breite Tür an der rückwärtigen Wand führt durch einen Vorraum zehn Stufen abwärts in den Keller: vier Stahltanks, unzählige neue und alte Eichenfässer.

„Wir sind immer da“, sagt der Winzer István Tombor, „jeden Tag, im ganzen Jahr“. Zur Weinlesezeit ist der Raum voll. Am Esstisch sitzen seine Frau Irma, die große Tochter und der 13-jähriger Sohn, außerdem die Bergrichterin, deren Mann (natürlich beide Winzer) und vier Erntehelfer aus dem Nachbarort. Es duftet nach deftiger Bohnensuppe mit geräucherter Schweinshaxe.

„In meiner Familie waren alle Stofffärber“ sagt Tombor. „Auch ich war es.“ Bis Ende der 1980-er Jahre arbeitete er für die Oper und alle wichtigen Theater in Budapest. Außerdem hatte er drei Boutiquen. Dann ging seine erste Ehe in die Brüche, er musste alles verkaufen. Irma, seine Neue, erschien als rettender Engel. In ihrer Familie wiederum waren alle Winzer. „Hier in Köveskál wird schon seit 400 Jahren Wein angebaut“, berichtet sie. Auch ihre Eltern hatten seit Urzeiten Weinberge und seit 1885 nachweislich einen Weinkeller und eine Schenke. Die neue Firma fürs neue Leben wurde 1990 gegründet. Irma war damals die einzige Winzerin in Ungarn. Das Problem war nur, dass István nichts vom Wein verstand – und Irma nicht trank. Doch das Wichtigste, nämlich alles von den Reben und das Weinverkosten´(mit anschließendem Ausspucken) hat sie schon als junges Mädchen von ihrem Vater gelernt. So gingen die beiden von Kellerei zu Kellerei – und „tranken“, wie sie sagen, „viele mäßig gute Weine“. Dazu Weine mit künstlichen Aromen angereichert. Immerhin, nach einigen Jahren hatte Irma ihrem Mann den Weinanbau beigebracht und István ihr das Weintrinken. Sie trinkt zwar nur mäßig, aber damit ist István schon zufrieden.

Die Familie hat sieben Hektar Anbaufläche. Die Weingärten befinden sich zwar auf den hervorragenden Südlagen des Feketehegy (Schwarzenberg) und Töltésdőlő, aber eben an 18 verschiedenen Stellen. Das erschwert die Arbeit. Der Boden ist vulkanisch, wie in der ganzen Gegend, schließlich hat vor Urzeiten der Badacsony-Berg kräftig Lava gespuckt. Zur Vulkanerde ist mit der Zeit eine gute Mischung aus Lehm und Sand hinzugekommen. Angebaut  werden nur Weißweine: die ungarischen Sorten Irsai Olivér, Cserszegi főszeres und Juhfark außerdem Rizling szilváni, Szürkebarát (Pinot gris), Chardonnay und Olaszrizling (Welschriesling). Die Reihen der (niemand weiß es genau) alten Reben stehen zwei bis drei Meter auseinander, die Pflanzen selbst einen Meter. Tombori belässt beim Beschnitt nach der Lese nur jeweils zwei Triebe am Draht, und kürzt beim Sommerschnitt noch einen Teil der jungen Fruchtstände ein, damit die verbleibenden Beeren gehaltvoller werden. Er belässt aber oben verhältnismäßig viel Laub, „weil er die Pflanze vor Hagel schützt“, sagt er. Denn das Wetter am Balaton ist recht extrem. Die Weine gären in der Holzwanne, bleiben verhältnismäßig lang – ein bis zwei Tage – auf dem Trester liegen und werden in neuen oder alten Eichenfässern ausgebaut. Je nachdem, wie kräftig sie sind. Die Stahltanks dienen zur kurzzeitigen Lagerung. So entstehen jährlich nur etwa 250 bis 350 Hektoliter Wein.

Die besten der jeweiligen Jahre sind reinsortig, sie haben dem Terroir entsprechend feine Säuren und zurückhaltende blumige Düfte, manche einen herben, metallischen Geschmack. Den Rieslingsilvaner und den Welschriesling vermählen die Tomboris oft zu einem ehrlichen, frischen recht kräftigen Cuvé, den sie in anderthalb Liter Flaschen für etwa zwei Euro verkaufen. Der eignet sich gut zum beliebten Getränk für heiße Sommertage, zum „Gespritzten“, mit Mineral- oder Sodawasser verdünnt. Ungarisch heißt er „fröccs“ (sprich Fröttsch) – wie ein Spritzer eben.

Adresse

Unsere Adresse:

H-8274 Köveskál István Tombor

GPS:

46.8836097, 17.6076535


Unsere Weine & Erzeugnisse


Weißwein:
Juhfark
Olaszrizling (Welschriesling)
Rizlingszilváni (Riesling-silvaner)
Chardonnay
Irsai Olivér
Cserszegi főszeres
Szürkebarát (Pinot gris)

Angebote & Leistungen



Anreiseinformationen (Anfahrt)

Von Budapest: M7 Richtung Balaton, nach Polgárdi auf die Schnellstraße 71, die an der Nordwestseite des Sees entlang führt; nach Balatonfüred und Tihany, bei Zánka biegt man nach rechts Richtung Tapolca ab, fährt durch Köveskál; nach etwa 400 Metern sieht man das Schild „Ódon Pince“ („Alter Keller“). Der Weg führt nach rechts, bergauf.

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