Das Haus des jungen Ehepaares Orsolya Turcsek und Zoltán Tarnóczi steht in einer doppelten Reihe von Presshäusern am Hang übereinander. Die Kellerei Orsolya (ungarisch für Ursula) befindet sich in der unteren Reihe. Es ist Presshaus, Keller und Wohnhaus mit einem Laubengang und Garten – und hat eine bewegte Geschichte. Die beginnt damit, dass in Ostoros immer schon arme Bauern wohnten, die Gemüse anbauten, einige auch Mais, Pferde, Ziegen, Hühner und Hasen hielten – und auch kleine Weingärten bearbeiteten. Alles für die Selbstversorgung. Ihre Häuschen, die mit einem Keller im Berg endeten, waren feucht und 1927 zerstörte ein leichtes Erdbeben selbst diese armseligen Gebäude. Immerhin konnten die Besitzer aus der staatlichen Hilfe ihre Behausungen wieder aufbauen und sogar ein wenig modernisieren. „Und trotzdem“, sagt Winzerin Orsolya Turcsek, „war es eher eine Ruine, die wir 1999 gekauft haben.“ Sie haben das Gebäude isoliert, eine Wasserleitung legen lassen, den Keller verlängert, den Hof geputzt, die Skelette von einem Hund und einer Katze in den Müll geworfen, die lebendigen Haustiere verkauft, den Pferdestall am Hang in einen Flaschenkeller umgebaut. Zur Weinlese 2001 war alles fertig. Denn fünf Hektar Wein hatten die beiden schon seit 1989.

Die Familien der Eheleute waren Winzer – nur die Elterngeneration nicht. Der Vater von Zoltán Tarnóczi verdiente sein Brot und das seiner Familie als Gärtner, die Eltern von Orsolya Turcsek waren Agraringenieure. So nimmt es nicht Wunder, dass sich die jungen Leute in der Akademie für Weinanbau im nahen Gyöngyös trafen, einander kennen und lieben lernten.

Ihre Familienkellerei besteht denn auch aus ihnen beiden – Orsolya, geboren 1975, Zoltán 1971 – dazu die Eltern des jungen Ehemannes, wobei die wichtigste Hilfe von der Schwiegermutter kommt, die auf das kleine Mädchen aufpasst, das 2001 auf die Welt gekommen ist. Die entscheidenden Arbeiten in Weinberg – Beschnitt nach der Lese und Sommerschnitt im Juni – und im Keller machen sie allein. Zoltán Tarnóczi hat lange bei Dr. Pók, einer der besten Kellereien in Eger gearbeitet und viel gelernt, wie die Qualität der Weine zeigt. Die ungarische Fachpresse bescheinigt dem Ehepaar einen hervorragenden Geschmack. „Wir hatten Glück“, sagt Orsolya, „dass wir selbst mit dem Weinmachen angefangen haben, und nicht die Arbeit seines oder meines Vaters, also eines altmodischen Winzers fortsetzen mussten.“

Heute beträgt das Anbaugebiet zehn Hektar. Fünf davon sind alte Pflanzungen: Auf Kalk- und Vulkanerde der Lage Síkhegy (Hochplateau) wächst seit 1963 Leányka (Mädchentraube); seit 1968 gedeiht auf der Lage Gesztenyés in der Ortschaft Andornak auf lockerem Lehmboden Cabernet franc; und auf anderthalb Hektar der Lage Tag (Glied) fühlt sich auf einem Tuffsteinboden der Olasz Rizling (Welschriesling) sichtlich wohl. All die alten Reben, drei Meter die Reihen und ein Meter die Rebstöcke, stehen recht weit auseinander. Die Neuen, 2003 auf Kalkboden am einem Südhang in Ostoros gepflanzt, sind 2,40 und 80 cm sind einander nicht viel, aber für die Entwicklung der Reben entscheidend näher. Es ist eine große Vielfalt: Dort gedeihen Chardonnay, Viognier, Welschriesling, Pinot Noir, Merlot, Kékfrankos (Blaufränkisch) und Syrah (Shyraz).

Geerntet wird mit der Hand und zwar nur die reifen Beeren und nur ein bis anderthalb Kilo pro Pflanze. Nach einem halben Tag im eigenen Saft werden die weißen Trauben gepresst, anschließend in 225-Liter-Eichenfässer gefüllt und mit wilder Hefe im 10° C. kühlen Keller vergoren. Nach der ersten Gärung im selben Fass bis zum Abfüllen auf Flaschen weiter ausgebaut. Das bedeutet, zunächst wöchentlich die Hefe umrühren, dann monatlich und das bis etwa März. Anschließend werden sie von der Hefe gepumpt. „Wir machen auch Cuvées“, sagt Orsolya, „aber unsere besten Weine sind die Reinsortigen. Wir haben sogar einen Cuvée, den Százrejtekő (Hundert-Geheimnisse), den wir aus den besten Roten des Jahrgangs komponieren – in manchen Jahren besteht der nur aus Blaufränkisch.“

Die erste Gärung der Rotweine geschieht, temperaturreguliert, im Stahltank. Anschließend werden sie etwa zwei Jahre in 225-Liter-Eichenfässern ausgebaut. Es sind neue ungarische Fässer, ein bis dreimal befüllt; das Holz stammt aus dem Börzsöny-Gebirge.

Die etwa 12.000 Flaschen jährliche Produktion kauft meistenteils ein Gastronom auf, der die Weine in seinem Restaurant „Maligán étterem“, in der Budapester Lajos utca 38 verkauft. „Er kommt jedes Jahr im Frühling“, sagt Winzerin Orsolya, „kostet und sagt, ich will alles haben. Wir geben ihm aber nicht alles.“ So bleibt noch genug für die Besucher.


Unsere Weine & Erzeugnisse


Rotwein:
Blaufränkisch
Pinot noir
Merlot
Shyraz
Weißwein:
Egri Leányka (Mädchentraube aus Eger)
Ostorosi Leányka (Mädchentraube aus Ostoros)
Ostorosi Olaszrizling (Welschriesling aus Ostoros)
Abrakadabra, ein weißer Cuvé je nach Jahrgang aus wechselnden Weinen
Chardonnay
Rosé:
(aus Pinot noir und Kékfrankos – Blaufränkisch)

Angebote & Leistungen



Anreiseinformationen (Anfahrt)

Von Budapest: M3 Richtung (Osten) Miskolc, Ausfahrt Eger weiter auf der Landstraße 25; von Eger fährt man Richtung Mezőkövesd, bald kommt die Abfahrt nach Ostoros. Der Weg führt durch ein hübsches Tal. In Ostoros sieht man auf der linken Seite eine Kirche, danach biegt man in die zweite Straße nach links ein, anschließend in die erste nach rechts, ist schon die Arany János utca. Nr. 65 ist am Ende der Gasse. Beschildert ist die Kellerei nicht, aber natürlich kennt sie jeder.
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