Die Familienkellerei Pfneiszl ist ein grenzüberschreitender Betrieb mit 27 Hektar Weingärten in der Region Sopron und 75 Hektar im burgenländischen Deutschkreuz. Die Zweiteilung hat historische Gründe. Bis Ende des Ersten Weltkriegs lagen die Ländereien in Ungarn, die Grenzziehung nach dem Versailler Vertrag hat sie geteilt. Die Pfälzer Familie wurde mit vielen anderen im 18. Jahrhundert durch Beamte der Kaiserin Maria Theresia nach Ungarn eingeladen. Sie haben in der Tiefebene, östlich der Theiß, Land geschenkt bekommen. Doch den Bauern hat das sandige, flache Land nicht gepasst, sie sind auf eigene Faust nach Westungarn gezogen. Und das war ihr Glück. Denn nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Deutschen in Ungarn enteignet, ihre Felder bekamen Ungarn, die aus Österreich oder der Slowakei ausgesiedelt wurden. „Die Familie, seit zwei Jahrhunderten in Ungarn, fühlte sich beleidigt, verletzt“, sagt Franz Pfneiszl. So haben sie nicht (für wenig Geld) verkauft, wie viele Schicksalsgenossen. Immerhin der österreichische Teil des Besitzes ist erhalten geblieben. Sie betreiben nach wie vor Landwirtschaft: Ackerbau, Rinder- und Schweinezucht, Weinanbau. In jüngster Zeit stellt Landwirt Pfneiszl aus Raps Biodiesel her – und fährt gut damit.

Nach der politischen Wende in Ungarn 1989 bekamen sie die enteigneten Böden zurück. Auf der zwölf Hektar großen Lage Kräftner wuchsen 40 Jahre alte Blaufränkisch-Reben, auf dem zwei Hektar großen Neuberg, nahe Sopron der 30 jährige weiße Zenit. Seither wurde freilich viel neu gepflanzt. Bei alledem half die langjährige Erfahrung im Burgenland, wo Franz Pfneiszl einer der drei Shiraz-Brüder genannt wird. Sie haben in Österreich als erste die Sorte angebaut. Die Idee kam von Bruder Josef, der in Australien als Einkäufer für eine große Weinhandelsfirma gearbeitet hatte. So reift die Traube in Österreich seit 1994 und seit 2000 auch in Ungarn. Die Brüder haben auch die englische Schreibweise übernommen.

Im kleinen ungarischen Familienbetrieb kümmert sich Vater Franz um die Weingärten, seine Frau Elisabeth um die Organisation der Verkostungen und die Entwicklung von überwältigenden Gerichten zu den jeweiligen Weinen. Die Töchter, Birgit (23) und Katrin (19) um Keller und Marketing. „Vater möchte allmählich etwas weniger arbeiten“, sagt Birgit. Sie hat in Klosterneuburg Matura gemacht und die Weinbauschule absolviert. Anschließend Auslandspraktika in Italien, KalifornienChile, Neuseeland und Australien. Das wichtigste was sie gelernt hat: „Man kann die Erfahrungen nicht einfach übertragen.“ Immerhin hatte sie die Idee, die Weinberge biologisch zu bearbeiten. Die Zertifizierung ist bei Biokontroll beantragt, der Betrieb befindet sich in der dreijährigen Umstellungsphase. So verwenden sie keinen Kunstdünger – „dadurch“, sagt Birgit, „brauchen wir die Weine nicht zu klären, nicht zu filtern“. Zwischen die Reben kommt nur Schafs- und Pferdemist. Gespritzt wird Brennesel-Tee auf die kleinen grünen Trauben – neben den erlaubten Klassikern Schwefel und Kupfer. Ihr Ziel sind natürliche Weine, die Terroir und Traubensorte wiederspiegeln. „Möglichst wenige Eingriffe“, sagt sie.

Die kleine Schwester Katrin ist die Ungarin in der Familie. Sie besuchte seit der vierten Klasse die ungarische Volksschule und machte in Ungarn Matura. Dementsprechend ist ihre Aussprache akzentfrei. Zur Zeit studiert sie Weinmanagement in Eisenstadt. Doch nicht nur das: Die Schwestern kreierten 2006 aus der weißen Traube Zenit einen Prosecco namens Sparkelina – er ist leicht,  fruchtig, spritzig, hat aber einen (eleganten) Körper.

Angebaut wird nach wie vor die wichtigste Sorte der Region, der Blaufränkisch (ungarisch: Kékfrankos); außerdem Merlot, Cabernet Sauvignon und Shiraz. Auf einem kleinen Versuchsfeld am Waldrand würde (vermutlich) Malbec gut gedeihen – „wenn die Pflänzchen nicht von den Rehen abgefressen werden würden“, sagt Birgit. „Wir müssen sie hoch einzäunen, denn sie sind ganz verrückt danach.“

Gepflanzt wird überall in zwei Meter mal achtzig Zentimeter Entfernung. Der Boden ist leicht, gut durchlüftet, überwiegend aus Schiefer und Sandstein. In Österreich ist er schwerer. Im Südburgenland dominiert der Lehm. Der Ertrag in Ungarn beträgt 3.000 bis 4.000 Kilo pro Hektar, das entspricht einer Jahresproduktion von ca. 30.000 Flaschen. Die Topqualitäten werden mit der Hand gelesen, die einfachen erst einmal ebenfalls, dann aber mit der Maschine nachgeerntet. Alle Sorten, ob weiß oder rot, ob Wein oder Sekt werden gekühlt im Stahltank vergoren. Die weißen werden in Flaschen gefüllt, die Premium-Rotweine kommen meist in Eichenfässer. Deren oberen Deckel kann man entfernen und den Trester mit der Hand hinunter drücken. „Die Wildhefe liebt es, wenn der Tresterhut in der Luft gebrochen wird“, sagt Birgit Pfneiszl. Die einfachen Qualitäten bleiben zwei bis drei Wochen im Stahltank. Die Topqualitäten werden früher von der Maische getrennt und vergären als Saft in den 225-Liter-Barriqufässern. Dort reifen sie ein bis zwei Jahre.

Da der Pfeiszlsche Keller und das Flaschenlager in Sopron zu klein sind, vergären die Weine in Ungarn und werden aber dann die wenigen Kilometer nach Österreich transportiert, wo sie in Fässern und Flaschen ruhen. „Wir benutzen französische, US-amerikanische und ungarische Barriquefässer“, sagt Franz Pfneiszl. „In den französischen werden die Weine feiner. Aber die amerikanischen und ungarischen geben ihnen einen kräftigeren Geschmack. Zu den ungarischen Weinen passt das besser – finden wir.“

Das Gebäude in Deutschkreuz steht außerhalb der Dorfes und ähnelt einem riesigen, rechteckigen, schwarz glänzendem Edelstein. Es besteht aus Stahl und getöntem Glas und so abweisend es sich von außen ausnimmt, ist es innen behaglich, elegant – und hell. Die ebenerdigen Kühlräume sind peinlich sauber, die langen hellen Reihen der Fässer dekorativ. Vom langen Tisch neben eleganten der Küche, sieht man ins Grüne und auf die Dächer des Dorfes. Ein malerischer Blick, der zu den hervorragenden Weinen passt.


Unsere Weine & Erzeugnisse


Rotwein:
Kékfrankos Újra Együtt (Blaufränkisch „Wieder zusammen“)
Impression Rouge, Cuvée aus überwiegend Blaufränkisch
Soproni Merlot
Soproni Cabernet Sauvignon
Weißwein:
Edelsüßer: Zenit, Spätlese mit ca. 68 g/l Restzucker
Sekt:
Sparkelina aus Zenit

Angebote & Leistungen



Anreiseinformationen (Anfahrt)

Von Budapest: M1 bis Győr (Rab), von dort auf der Schnellstraße 85 nach Sopron. Von Győr (auf der Győri út) kommend findet man die Kőszegi út (Straße) als Querstraße gleich am ersten Kreisel, zu Nr. 81 biegt man links ab. Wien ist nicht weit, etwa 60 km: Auf den Südautobahnen zunächst A2, dann A3 an Eisenstadt vorbei nach Sopron. Dort die Kellerei anrufen, den (komplizierten) Weg erklären lassen und wahrscheinlich per Mobiltelefon nachkorrigieren lassen. Am einfachsten: Ein Taxi vorschicken.

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