Der Feldweg ist steil und kurvenreich, die Adresse bedeutet ja „Dach des Iwan-Tales“. Dementsprechend wird man am Ende der Fahrt, an der Bergspitze vor dem weißen Chateau mit einen herrlichen Ausblick auf die Stadt und das Flachland rundherum belohnt. Zoltán Heimann, groß, wohlgenährt, weißhaarig und bärtig, führt die Gäste in das Obergeschoss und bietet zur Begrüßung butterweichen, im Knoblauchsud gekochten Speck, helle Paprikaschoten, frisches Weißbrot und ein Glas Wein an.

Seine Ahnen kommen aus dem Schwarzwald. Das älteste Dokument der Familiengeschichte ist eine Heiratsurkunde aus dem Jahr 1758 in Szekszárd. „Im Jahr 2008“, sagt er, „werden es 250 Jahre her sein, dass die Familie in Ungarn lebt – meine Kinder sind schon die zehnte Generation.“

Die Ahnen waren Bauern. Sie bauten Weizen und Mais für sich und die Tiere an und hatten auch Wein. Der Urgroßvater war bis 1948 der größte Weinhändler in der Region. Im Kommunismus ging der Besitz auf ein halbes Hektar zurück. Der Vater arbeitete in der Staatlichen Wein-Erzeuger-Gemeinschaft als deren Vorsitzender – von der schwäbischstämmigen Mehrheit der Bauern gewählt. So wuchs Zoltán zwischen Schweinen, Hühnern, Hasen und Trauben auf. Ab zwölf arbeitete er zusammen mit Eltern und Großeltern im kleinen Weinberg.

Auf diesem halben Hektar haben 1990 er und seine Frau Ágnes die Familienkellerei neu gegründet. Allerdings verdiente der Winzer seinen Lebensunterhalt als Angestellter einer Regionalbank in der Stadt. Und sie kauften weitere gute Lagen um den Iwan-Berg. „Wir haben keine Villa am Balaton“ (Plattensee), sagt Heimann. „Wir haben alles, was wir verdient haben in den Betrieb gesteckt.“ Bald wurde der alte Familienkeller in der Stadt zu klein und die Zugänge von den Nachbarn zugebaut, so mussten sie ganz auf den Berg ziehen. 1992, als der Bau begann, hat sein Bruder, der Bauingenieur ist, die erste herrliche neogotische Kuppel im neuen Keller gebaut. Seither haben es ihm viele in der Gegend nachgemacht.

Inzwischen ist an der Bergspitze alles zusammen: die pieksauberen kühlbaren und heizbaren Räume für die Verarbeitung und Vergärung der Trauben, der 100 Meter lange Keller mit 200 Fässern, die Abfüllanlage und das Flaschenlager. Nur die Weinschenke fehlt noch.

Heute bewirtschaftet die Familie 20 Hektar Anbaufläche – und die Lagen liegen alle innerhalb von zwei Kilometer um das Haus herum. Das heißt ziemlich hoch oben, nahe der Spitze, in jeder Himmelsrichtung, von Nord bis Süd.

Zu 95 Prozent bauen sie rote Weine an. Davon etwa die Hälfte die berühmten Sorten: Cabernet franc, Merlot, Pinot noir, Blaufränkisch, Kadarka und Blauer Portugieser. Daneben machen sie Versuche mit seltenen Trauben. Die helle französische Viognier (ungarisch Viona) wächst hier neben den roten tanninreichen baskischen Tannat und der würzig-rustikalen umbrischen Sagrantino. Da alle Pflanzungen neu sind und erst in den 2000-er Jahren die ersten Früchte trugen, stehen gleichmäßig 5.000 Reben pro Hektar. Meistenteils werden sie niedrig gehalten, um die Reflektion der Sonne besser nutzen zu können, nur die Kadarka lehnt am Stock.

Gelesen wird mit der Hand zwischen einem und anderthalb Kilo pro Pflanze. Die Sturmgärung findet teils in Zement-, teils in Holzwannen oder Edelstahltanks statt. „Stahl begünstigt die Fruchtnote“, sagt der Winzer, „aber die besten, schweren Rotweine vergären in Holzwannen.“ Der Ausbau vollzieht sich im Barrique und in fünf bis zehn Hektoliter großen Eichenfässern. Sortenrein abgefüllt werden Blaufränkisch Cuvée des Hauses ist der Cervaes, aus 40 Prozent Blaufränkisch, 40 Prozent Cabernet franc, 15 bis 17 Prozent Merlot und ein wenig Kadarka. Schließlich die wahre Besonderheit, der Stílusgyakorló („Stilübung“) mit einem goldenen Etikett geschmückt, aus Merlot und Cabernet franc, allerdings sind die Verhältnisse jedes Jahr ein wenig anders.

Verkauft werden die Heimann-Weine durch die renommierte ungarische Großhandlung Bortársaság (Weingesellschaft) in Fachgeschäften und Restaurants. Allerdings werden zehn bis 15 Prozent nach England, Polen, Litauen und Deutschland exportiert – das ist in Ungarn ungewöhnlich. Hierzulande bietet die Weine das Ungarische Weinhaus in Eltville an Tel. 0178-3444 144.

„Unsere Zukunft erscheint mir recht rosig“, sagt Zoltán Heimann. „Meine Frau erledigt weiterhin die Büroarbeiten, ich schaffe im Weinberg und Keller. Unser großer Sohn, der 19-jährige Zoltán junior, büffelt an der Weinfachschule in Geisenheim am Rhein. Leider möchte Gábor der jüngere Popsänger werden“ – natürlich hofft im Stillen die ganze Familie, dass er sich eines Besseren besinnt.

Adresse

Unsere Adresse:

H-2083 Solymár Hóvirág utca 31

GPS:

47.584365, 18.943662000000018


Unsere Weine & Erzeugnisse


Rotwein:
Boromissa (einfacher Wein in Schraub-Literflaschen)
Fuchsli (ein Cuvée aus Blaufränkisch und Kadarka)
Szekszárdi Merlot
Szekszárdi Kadarka
Szekszárdi Pinot noir
Szekszárdi Cabernet Franc
Cervaes (Cuvée aus Kékfrankos, Kadarka, Cabernet franc und Merlot)
Stílusgyakorlat (zu Deutsch Stilübung; Cuvée aus Merlot und Cabernet franc – oder aus anderen Weinen)
Weißwein:
Viona (gekühlt vergoren im Barriquefass, zwei Monate auf der Hefe, dann im Edelstahltank bis zur Abfüllung im April)

Angebote & Leistungen



Anreiseinformationen (Anfahrt)

Von Budapest: Schnellstraße Nr. 6 neben der Donau Richtung Süden über Dunaújváros und Paks nach Szekszárd. Auf der Hauptstraße geradeaus durch die Stadt weiter nach Süden Richtung Mohács. Am Kreisverkehr, kurz vor der Stadtgrenze rechts abbiegen, durch eine Neubausiedlung immer nach oben auf den Berg. Man kann Herrn Heimann auch bitten, einen am Mobiltelefon zu navigieren. Außerdem existiert in Szekszárd ein Taxiunternehmen, das für eine Pauschalsumme von umgerechnet weniger als 2 € einen überall in der Stadt hinfährt bzw. hinführt, Tel. aus Ungarn 06-70-32 34 569 oder 06-70-32 34 571.
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