Die Familienkellerei des 37-jährigen Zoltán Günzer ist winzig. Sie besteht aus ihm und seiner Frau Bea. Die Kinder sind mit elf und zwei Jahren noch zu klein und Zoltáns älterer Bruder Tamás hat sich als Weinmacher selbstständig gemacht. Und da sich Frau Bea um die Administration und die Bewirtung der Gäste kümmert, müssen die Arbeiten im Weinberg und im Keller von Zoltán und seinen Freunden und Helfern bewältigt werden. Übung hat er allerdings, hat er doch Weinbau und Weinmachen von seinem Vater gelernt, der auch heute noch mit Ratschlägen mithilft.

Die aus Schwaben eingewanderte Familie lebte etwa zwei Jahrhunderte im Nachbardorf Palkonya. Sie waren Landwirte und nebenberuflich Winzer zumindest als Selbstversorger. Doch schon die Großeltern verkauften einen Großteil des Weines durch eine staatliche Exportfirma in die Sowjetunion. Ihre guten Pfröpflinge (für die Veredelung der Reben) nahmen ihnen die Kollegen ab. „Mein Vater“, sagt Zoltán Günzer „liebt den Wein und so lernten wir ihn auch lieben.“ Die Brüder haben schon mit 15 – 16 Jahren in der Saison täglich 30 hl. Wein aus einem Fass in das andere gepumpt, das erste gewaschen und den Wein zurück gepumpt. „Wir hatten damals mehrere Jahre lang nur einen Wein, den Kékoportó“ (Blauer Portugieser). Auch auf seinem ersten Weinberg, den Zoltán 1991 mit 25 Jahren von seinem Vater bekam, standen und stehen die gleichen Reben. Und die sagenhafte Lage Jammertal gehört nach wie vor zu den Besten in Ungarns wichtigsten Rotweinregion. So „wurde der 1993-er Blauer Portugieser zu gut, um ihn in Kanistern zu verkaufen – also haben wir ihn in Flaschen gefüllt.“ Auch wirtschaftlich war der Portugiese ein Erfolg, er brachte pro Flasche umgerechnet sechs Euro.

Heute bewirtschaftet Zoltán Günzer 15 Hektar Anbaugebiet; zehn Hektar werden in den nächsten Jahren die ersten Früchte bringen. Alle seine hervorragenden Lagen sind weit verstreut in der Gegend, aber sie neigen sich alle nach Süden oder Süd-Osten. Der größte zusammenhängende Weingarten liegt mit sieben Hektar im Ördögárok (Teufelsgraben). Dies ist ein nach Norden geschlossenes Tal. Hier wuchs bis 1949 ein hervorragender Blauer Portugieser, doch im Kommunismus wurden die Reben gerodet – weil die Schräglage harte Arbeit erfordert hätte. Bald wuchsen im Teufelsgraben Bäume. So mussten die heutigen Besitzer der Parzellen an anderer Stelle im Land Weinanbaugebiete kaufen und die roden, um hier neu pflanzen zu dürfen, denn die EU will die Trauben- und Weinproduktion eingrenzen. Leider achtet sie nicht auf die Qualität der Lagen. Doch trotz aller Schwierigkeiten (und mit Hilfe einer Agentur, die minderwertig Anbaugebiete nur zum Zwecke des Rodens vermittelt) ist es gelungen den Teufelsgraben neu zu bepflanzen. Es sieht malerisch und nach viel Arbeit aus: Ein langes, nach Norden steiles Tal, voller Rebenreihen, von flachen Hügeln und kleinen, weiß getünchten Kelterhäuschen unterbrochen.

Der Boden besteht aus einem Gemisch von lehmigem Löss und Kalk. „Vom Kalk bekommt der Wein diese ganz eigene seidige Note“, sagt Günzer – froh darüber, dass er ganz oben am Hang seine Parzelle kaufen konnte. „Denn je weiter wir nach unten gehen, umso weniger kalkhaltig ist der Boden. Die meisten Reben sind immer noch Blauer Portugieser, dem folgen Blaufränkisch, MerlotCabernet Sauvignon, Cabernet franc, Pinor noir und Kadarka. Die Pflanzendichte beträgt bei zehnjährigen 5.000 pro Hektar bei den 20-jährigen weniger. So ist die Ernte bei den alten Reben natürlich weniger wirtschaftlich, denn Günzer erntet auch dort nur ein bis zwei Kilo pro Stock. Kunstdünger verwendet er ohnehin nicht und auch Naturdünger sparsam – „bei dieser geringen Belastung“, sagt er.

Natürlich lesen Günzer und seine Freunde mit der Hand, in kleine Kunststoffkästen und verarbeiten schnell. Seit 2002 geschieht dies in einem für 700 hl. ausgerichteten rostfreien Stahlungetüm, das rebelt, sanft mahlt, natürlich kühlbar und heizbar ist den Most vergärt und den vergorenen Traubensaft vorsichtig in Fässer pumpt. Als erste Sorte wird auf diese Weise der Blaue Portugieser vergoren. Er bleibt drei – vier Tage auf der Maische, manchmal gekühlt und kommt dann in große Eichenfässer. Der Blaufränkisch wandert in gebrauchte ein bis dreijährige Barriques. Cabernet Sauvignon und Merlot werden etwa je zur Hälfte in neuen und alten Eichenfässern ausgebaut. Nur der beste Cuvée, namens Villus (aus Cabernet Sauvignon, franc und Merlot) reift in neuen Barriquefässern. „Er erträgt das intensive Holz und gewinnt noch dabei“, sagt der Winzer.

Der sogenannte Grundwein der Kellerei ist immer noch der Blaue Portugieser. „Süffig, seidig, gut trinkbar“, sagt er. „Auch wir Winzer trinken ihn am liebsten. Die anderen verkosten, den trinken wir.“ Etwa zehn Prozent der 100.000 jährlich produzierten Flaschen verkauft Günzer ab Keller, weitere zehn Prozent verschickt er an Privatkunden im ganzen Land und den Rest verkauft die Weingroßhandlung Bortársaság (Weingesellschaft) an die gehobene Gastronomie – meist in Budapest. „Besonders angenehm ist der Zusammenhalt unter uns Winzern“, sagt Günzer sichtlich zufrieden. „Hier hilft jeder jedem gern.“ Und weil sie später im Jahr viel zu viel arbeiten müssen, fahren sie alle zusammen im Januar Ski.

Adresse

Unsere Adresse:

H-7773 Villány, Oportó utca 6

GPS:

45.8672068558534, 18.446606299724863

Telefon:

Unsere Weine & Erzeugnisse


Rotwein:
Portugieser (reinsortig)
Günzer Merlot
Günzer Cuvée (aus Blaufränkisch, Pinot noir, Cbernet Sauvignon und franc)
Günzer Cabernet (60% Cabernet franc und 40% Sauvignon)
Villus Cuvée (70% Merlot von der Lage Teufelsgraben, regelmäßig mit über 100 Oechsle geerntet, 20% Cabernet franc und 10% Cabernet Sauvignon).
Rosé:
Villányi Rozé (meist Cuvés aus allen Roten)

Angebote & Leistungen



Anreiseinformationen (Anfahrt)

Von Budapest: Landstraße 6 nach Süden westlich der Donau (und eine ganze Weile der Donau entlang) nach Pécs (Fünfkirchen), von dort ebenfalls Richtung Süden auf der Landstraße 58 über Harkány (einem hübschen Thermalbad) und Siklós weiter nach Villány. Sofort nach der Ortstafel, beim Hinweisschild „Polgár“
nach links, nach wenigern Metern wieder halb links. Der Feldweg führt etwas abwärts, doch man befindet sich schon in der Oportó Straße; die Villa mit der Nr. 6 liegt auf der linken Seite.

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