Zoltán Polgár ist ein groß gewachsener, weißhaariger, alter aber enorm agiler Herr. Er gehört mit seiner Familienkellerei zu den ganz Großen unter den ungarischen Winzern. Unter seinen Kollegen und Konkurrenten, die alle deutscher Abstammung sind, sticht er durch seine ungarischen Ahnen hervor. Die waren allerdings wie die meisten Deutschen auch schon immer Winzer. Nur seine beiden Eltern, die nicht in der staatlichen Winzergenossenschaft arbeiten wollten, wurden Lehrer – und Freizeitwinzer. „Mein Vater“, erinnert sich der Winzer, „hat nicht einmal getrunken. Keinen Schluck.“

Zoltán Polgár aber wollte hauptberuflicher Weinmacher werden. Er ging in Pécs (Fünfkirchen) in die Fachschule für Weinanbau, anschließend in die Hochschule für Garten- und  Weinbau nach Budapest, anschließend arbeitete er in der Genossenschaft. 1974 kaufte er auf einer der besten Lagen den größtmöglichen noch erlaubten Weingarten von 1/3 Hektar und kaum waren die Kinder geboren, erweiterte er den kleinen Besitz um weitere zweimal 1/3 Hektar. 1990 bekam er als Wiedergutmachung für die verstaatlichten Anbauflächen der Großeltern neun Hektar zurück.

Heute besteht das Polgár-Team aus Zoltán senior, Zoltán junior, der wie sein Vater und seine Mutter Katalin Gartenbau-Architektur studiert und schließlich Tochter Katalin, die eine Somelier-Schule mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Zoltán junior kümmert sich hauptsächlich um die Weinberge, sein Vater um den Keller, seine Mutter um das Büro und zusammen mit seiner Schwester um die Gäste – die zahlreich in den hübschen Keller zur Verkostung und zum Abendessen kommen.

Die Familie bewirtschaftet 62 Hektar. Sie befinden sich auf den besten Lagen, darunter der sagenhaften Kopár (Kahlkopf). Der Boden besteht aus Löss mit Kalzium und Lehm vermischt. Angebaut werden die Weißen Chardonnay, Muskat-Ottonel, Lindenblättriger (Hárslevelő) und Welschriesling. Außerdem Portugieser, Pinot noir, Blaufränkisch, Kadarka, Zweigelt, Merlot, Syrah, Cabernet Sauvignon und franc außerdem der hellrote Siller. Insgesamt sind es etwa 30 Prozent weiße und 70 Prozent rote Trauben. Die Rebendichte der 30 Jahre alten Pflanzungen beträgt pro Hektar 3.500 – 4.500 bei den neu gepflanzten Lindenblättrigen sind es 5.500 Pflanzen. Dabei sind die Neupflanzungen durch eine eigenwillige Methode durchaus nicht ganz neu: Polgár pfropft den jungen Trieb auf die alten Wurzel. Und um die Reben nicht zu überlasten, lesen er und seine Helfer je Pflanze nur etwa ein bis anderthalb Kilo, für die besten Weine, etwa „Selection“ sind es nur 80 g Trauben. Polgár benutzt im Weinberg keine Pestizide, keine Insektizide, keinen Kunstdünger; im Keller keine Chemie, außer etwas Schwefel gegen eine übermäßige Oxidation im Eichenfass.

Die Sturmgärung der meisten Weißen vollzieht sich in temperaturregulierten Stahltanks. Ausnahme ist die Lindenblättriger Spätlese, die Anfang Dezember geerntet und ebenso wie die Roten in vollautomatischen Holzwannen vergoren wird. Bei den dunklen Trauben wird der Maischehut langsam aber stetig unter den Most gerührt. Ausgebaut werden die meisten Weißen und der Kadarka-Rosé reduktiv, das heißt, sie werden aus dem Stahltank in Flaschen gefüllt. Die meisten Roten werden in großen Eichenfässern ausgebaut – so der Merlot, Blaufränkisch, Cabernet franc. Das heißt auch sie für maximal ein Jahr in Barriquefässer. Reinsortig ausgebaut sind nur der weiße Lindenblättriger und die roten Kadarka, Pinot noir und Merlot. Außerdem die alte Spezialität der Gegend, der Siller (sprich Schiller), ein ganz heller Rotwein, der wie ein Rose aussieht, leicht ist und gut zu den würzigen ungarischen Speisen passt. Die Krönung der Kellerei Polgár heißt Elixir Cuvée, besteht aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet franc und Blaufränkisch – und reift sechs Jahre im Eichenfass. Seit 2006 erzeugt Polgár auch flaschengereiften, hadgerüttelten Sekt in Weiß und Rosé. Die Sache hat Tradition: Im Jahr 1900 produzierte hier die Familie Schaumburg-Lippe. Ihre Rosé-Sekte waren berühmt und begehrt.

„Die Weißen haben viel Säure“, sagt Winzer Polgár senior, „die Roten viel Tannin, den es abzubauen gilt.“ Mit den Weißen war das früher sogar ein echtes Problem. Dazu erzählte man den Witz, der mit der Frage beginnt, warum man in Villány Mitternacht die Glocken läutet? Und endet mit der Antwort: Da müssen sich alle umdrehen, damit die Säure die Mägen nicht einseitig durchfrisst.

In den 1980-er Jahren residierte Polgár im malerischen Villánykövesd, mit den berühmten drei Reihen Kellergassen über einander am Berghang. Doch Kelterhaus und Keller sind bald zu klein geworden, so zogen sie nach Villány. „Am neuen Gebäude bauen wir seit 1993“, berichtet Polgar senior, „so wie wir etwas verdient haben, bauen wir weiter.“ Dabei gab es immer wieder Schwierigkeiten mit den Arbeitern, also gründete er kurzerhand seine eigene Baufirma. „Seitdem geht die Arbeit schneller voran, fertig ist sie noch lange nicht.“ Der Keller ist 600 Meter lang (1.900 Quadratmeter) auf zwei Ebenen, unten die Fässer mit 300 Barriques, oben die Flaschen. Das Gebäude einen 1.600 Quadratmeter großen so genannten
Tresor-Keller, in dem Banken und andere große, meist international tätige Firmen ihre Weine lagern.

Eine Goldmedaille (und den ersten Preis der Kellerei überhaupt) bekam ein Cabernet Sauvignon beim Bordeaux Vinexpo im Jahr 1993). Der Cuvée aus Cabernet Sauvignon und franc wurde mit dem großen Preis bei der Citadelle du Vin 2003 ausgezeichnet; und der Elixir Cuvé gewinnt jedes Jahr irgend einen Preis.

Adresse

Unsere Adresse:

H-7773 Villány Hunyadi utca 19

GPS:

45.8723844208771, 18.44781701094405


Unsere Weine & Erzeugnisse


Rotwein:
Portugieser
Cabernet Sauvignon
Cabernet Sauvignon und
Cabernet franc Cuvé
Villányi Merlot
Villányi Rubin Cuvée (aus wechselnden Trauben)
Elixír Cuvée Barrique
Syrah, Villány
Weißwein:
Chardonnay
Muskat-Ottonel
Lindenblättriger (Hárslevelő)
Welschriesling

Angebote & Leistungen



Anreiseinformationen (Anfahrt)

Von Budapest: Landstraße 6 nach Süden westlich der Donau (und eine ganze Weile der Donau entlang) nach Pécs (Fünfkirchen), von dort ebenfalls Richtung Süden auf der Landstraße 58 über Harkány (einem hübschen Thermalbad) und Siklós weiter nach Villány. Von der Hauptstraße mit der Kellerreihe in die Petőfi utca einbiegen (die beginnt dort), nach etwa 200 Metern bei einer Y-förmigen Kreuzung links und nach wieder 200 Metern rechter hand beginnt die Hunyadi utca. Die
Kellerei, von außen eine ältere Villa mit einem hübschen Innenhof, steht am Ende der Straße.
Click on button to show the map.

Hinterlassen Sie eine Bewertung

Price
Location
Staff
Services
Food
Veröffentlicht...
Ihre Bewertung wurde erfolgreich abgeschickt
Bitte füllen Sie alle Felder aus
Captcha check failed