Die Hessische Bergstraße ist das nach Sachsen und Saale-Unstrut dritt-kleinste deutsche Weinbaugebiet, zumeist an den Abhängen des Odenwalds zwischen Darmstadt und Weinheim gelegen, mit 431 ha Ertragsrebfläche, auf der zu 96 % weiße Rebsorten angepflanzt sind, darunter zu 56 % Riesling, 15 % Müller-Thurgau und 7% Silvaner. Die Weine verfügen mitunter über eine delikate Frucht und können hervorragend sein. Das Gebiet unterteilt sich in die Bereiche Starkenburg mit den Weinlagen an der eigentlichen Bergstraße und Umstadt als kleiner Weinbauinsel im Odenwald östlich von Darmstadt um die Orte Groß- und Klein-Umstadt. Die beiden wichtigsten Weinbauorte des Anbaugebietes sind Heppenheim und Bensheim. Die zu den Hessischen Staatsweingütern gehörende Domäne Bensheim verfügt über 8 % der gesamten Anbaufläche und ist der bedeutendste Erzeuger. Daneben einige weitere, meist kleinere Betriebe bzw. Winzergenossenschaften.

 

Hessische Bergstraße - Blick auf Bensheim

Hessische Bergstraße – Blick auf Bensheim

Klimatisch gute Bedingungen

Die Hessische Bergstraße ist ein klimatisch besonders begünstigtes Anbaugebiet, das sich westlich an den Odenwald anschließt. Kaiser Joseph II soll die kleine Region gar mit Italien verglichen haben. So ist von ihm folgender Ausspruch überliefert: „Hier fängt Deutschland an, Italien zu werden“. Und zumindest, was die klimatischen Bedingungen des Gebietes angeht, hatte er nicht Unrecht. Die Hessische Weinstraße wird nämlich durch die Berglandschaften des Odenwaldes vor kalten Witterungen und starken jahreszeitlichen Temperaturschwankungen bewahrt. So beginnt in der Region, die sich grob südlich von Darmstadt erstreckt, der Sommer wesentlich früher als andernorts. Dabei erfreuen sich durchaus die Sinne des Besuchers, der zeitig die Region aufsucht. Während restliche Teile Deutschlands noch die Nachwehen des Winters zu bekämpfen haben, blühen hier bereits Kirschen, Mandeln oder Magnolien.

Es herrscht also ein Klima, das besonders einem Riesling zugute kommt, für den die Hessische Bergstraße dann tatsächlich auch berühmt ist. Und doch ist das verhältnismäßig kleine Fleckchen Erde erstaunlich vielseitig, denn entlang einer Länge von nur etwa 6,9 km und auf einer Anbaufläche von insgesamt etwa 440 ha gedeihen durchaus auch noch andere Rebsorten. Neben Riesling werden Silvaner, Kerner, Ehrenfelser, Weißer Burgunder, Chardonnay, Grauer Burgunder und Gewürztraminer erfolgreich angebaut. Allerdings verteilt sich der prozentuale Anteil dieser Weinsorten unterschiedlich auf die einzelnen Teilgebiete, aus denen sich das Anbaugebiet zusammensetzt. Man kann die Hessische Bergstraße in zwei Hauptregionen untergliedern, nämlich dem Gebiet, das sich südlich direkt an Darmstadt anschließt und die Orte Zwingenberg, Heppenheim, Bensheim und Alsbach umfasst und der sogenannten „Odenwalder Weininsel“. Letztere erstreckt sich entlang der Ortschaften Groß-Umstadt und Roßdorf.

 

Schloss Auerbach: Blick auf die Hessische Bergstraße

Schloss Auerbach: Blick auf die Hessische Bergstraße

Weingebiete in der Hessischen Bergstraße

Während das Gebiet um Heppenheim bevorzugt den Grauburgunder „Ruländer“ sowie Riesling produziert, ist die Region Umstadt wesentlich breiter aufgestellt. Zwar liegt auch hier die Riesling-Ausbeute bei etwa 30 %, jedoch werden neben Grauburgunder auch Chardonnay, Ehrenfelser, Gewürztraminer und Kerner angebaut.

Nur ein Erzeuger verfügt in der gesamten Region über den hohen Qualitätsstandard, zum Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter, kurz VDP, zu gehören. Es handelt sich dabei um „Die Hessischen Weingüter“, die immerhin etwa 32,6 ha der gesamten Anbaufläche bewirtschaftet. Jedoch sind auch die Weinhersteller „Odenwälder Winzergenossenschaft“, „Bergsträßer Winzer e.g.“ und das privatwirtschaftliche Gut „Simon-Bürkle“ als Produzenten sehr guter Weine bekannt.

Dabei ist die Hessische Weinstraße weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung verschiedenartiger Weinanbaugebiete. Es handelt sich stattdessen um eine Region, die auf ein langes Kulturerbe zurückblickt. So kannte man das Gebiet bereits in der römischen Antike unter dem Namen „Strata Montana“.

Wo schon die alten Römer gerne verweilten, sind auch heute Besucher sehr willkommen. Denn auch touristisch hat die Hessische Weinstraße allerhand vorzuweisen. Wanderwege führen durch die mitunter atemberaubend schöne Landschaft, aber auch zahlreiche Kunstwerke gibt es zu bestaunen, die sich mit der langen Geschichte des Weinanbaus in der Region auseinandersetzen. Besonders zu empfehlen ist dabei eine bestimmte Wanderroute, die als Kulturpfad bezeichnet wird, den einprägsamen Namen „Wein und Stein“ trägt und erst im April 2007 offiziell eröffnet wurde.

Typisch für Weinanbaugebiete sind natürlich die regelmäßig wiederkehrenden Weinfeste. Und obwohl die Hessische Bergstraße noch immer als eines der kleinsten Weinanbaugebiete Deutschlands gilt, wird auch hier jährlich eine Weinkönigin gewählt, die das Gebiet als Werbefigur und Sympathieträgerin nicht nur bundesweit vertritt.

 

Die Geschichte der Hessischen Bergstraße

Es soll an dieser Stelle nunmehr ausschließlich auf die neuere Geschichte der Hessischen Bergstraße eingegangen werden. Denn obgleich das Gebiet entlang der westlichen Ausläufer des Odenwalds bereits in der römischen Antike aufgrund seines begünstigten Klimas bekannt und geschätzt war, bildete es bis in die 1970er Jahre hinein kein eigenständiges Weinanbaugebiet. Denn erst 1971 wurde die Region offiziell von der Badischen Weinstraße losgelöst. Ursache hierfür war ein Weingesetz, dass das Land Baden dazu verleitete, nur noch Weingüter innerhalb seiner Grenzen als der Badischen Weinstraße zugehörig anzuerkennen. Ursprüngliche Pläne, die Region stattdessen dem Rheingau anzugliedern, sind aus strategischen Gründen nicht zustande gekommen. Somit wurde die Hessische Bergstraße als autonomes Weinanbaugebiet geboren, die sich hernach durch ihre Qualitätsweine einen überregionalen Namen bei Liebhabern erwerben konnte.

 

Die Altstadt von Bensheim (Hessische Bergstraße)

Die Altstadt von Bensheim – der ideale Platz für kulinarische Wein- und Winzerfeste.

Regelmäßige Events in der Region

Weinmärkte und Winzerfeste laden alljährlich zahlreiche Besucher ein, die bei dieser Gelegenheit in fröhlicher Atmosphäre die Highlights der lokalen Weinproduktion kosten können. Trotz der geringen Größe der Hessischen Bergstraße bleibt es dabei keineswegs bei nur einer Festlichkeit. Denn Groß-Umstadt und Bensheim warten jeweils mit einem eigenen Winzerfest auf, wobei stets dafür Sorge getragen wird, dass der begeisterte Weintrinker sich nicht zwischen zwei Veranstaltungen entscheiden muss. Während Bensheim bereits am ersten Septemberwochenende zum Feiern einlädt, findet das gesellige Beisammensein in Groß-Umstadt erst Mitte September statt. Wer bereits früher im Jahr feiern möchte, ist gern gesehener Gast beim Bergsträßer Weinmarkt, der schon Ende Juni beginnt und sich bis in den Juli hinein erstreckt.

Eine besondere Attraktion jedoch stellt die jährliche Weinlagenwanderung dar. Hierbei kann der Besucher eine festgelegte und entsprechend beschilderte Route erwandern, auf der regelmäßige Beschilderungen über das jeweilige Weinanbauareal informieren. Zu einem besonderen Event für interessierte Touristen wird die Wanderung vor allem dadurch, dass auch für das leibliche Wohl gesorgt wird. Während Stände mit Wurst- und Käsespezialitäten erfreuen, laden die Winzer zu Probierstationen ein, um so von der Güte ihrer Weine zu überzeugen.

 

Nützliche Links:
Bergsträßer Wein
die bergstrasse