Beaujolais ist nicht nur der Name der bekanntesten und beliebtesten französischen Rotweine, sondern auch jener Landschaft im Süden Burgunds, unmittelbar nördlich von Lyon, aus der sie stammen.

Das französische Weinbaugebiet Beaujolais

Das französische Weinbaugebiet Beaujolais im Süden des Burgunds.

Die Rebflächen liegen in einer anmutigen Hügellandschaft westlich der Saône, wobei die Böden meist aus Ton und Granit bestehen und nicht, wie an der Côte d’Or, aus Kalk. Entsprechend anders sind die Rebsorten: Statt aus Pinot noir wird der Beaujolais aus Gamay erzeugt. Obwohl zu Burgund gehörend unterscheidet sich der Beaujolais heute mehr denn je von den eigentlichen Burgundern, und nur wenige Weine dieses Gebiets haben daher das Recht, als Burgunder (Vin de Bourgogne) bezeichnet zu werden. Zweifellos handelt es sich dabei um die besten, die aus insgesamt zehn Gemeinden bzw. Bezirken, den sogenannten crus, kommen: Brouilly, Côte-de-Brouilly, Chénas, Chiroubles, Fleurie, Juliénas, Morgon, Moulin-à-Vent, Régnié und Saint-Amour.

Neben diesen gehaltvollsten und ausdruckvollsten Beaujolais, die aus dem Norden des Gebietes stammen, gibt es, durchweg um sie herum gelegen, 36 weitere Orte, deren Weine das Recht haben, als Beaujolais-Villages, ohne Ortsangabe, in den Handel gebracht zu werden. Bei ihnen handelt es sich in der Regel um den besten, einfacheren Beaujolais, und ihre Moste müssen einen natürlichen Mindestalkoholgehalt von 10,5 % vol. theoretisch aufgewiesen haben.

Der einfachste Beaujolais stammt aus dem verbleibenden Gebiet und kommt ohne weiteren Zusatz in den Handel, wenn sein Ausgangsmostgewicht theoretisch mindestens 10 % vol. betrug oder als Beaujolais Superieur, wenn mindestens 10,5 % vol. erreicht worden waren.

 

Die französische Weinbauregion Beaujolais

Blick auf die Weinberge und Weinlandschaft der Beaujolais

Fruchtige, frische Weine

Bei allen diesen Weinen handelt es sich heute um mehr oder weniger fruchtige, frische Weine, die vielfach unkompliziert und sehr angenehm zu trinken sind. Anders als früher fehlt ihnen heute meist viel an Kern, Tannin und Charakter, weshalb sie als der zeitgemäße, jung zu trinkende Wein erscheinen, der in seiner Problemlosigkeit weder tieferes Verständnis noch besondere Gelegenheiten verlangt. Der Schritt zum gesichtslosen Allerweltswein ist daher, insbesondere bei den einfachen Qualitäten, oft nicht sehr weit.

Gefördert wird dieser Eindruck durch die in den vergangenen Jahren immer größere Formen annehmende Modeerscheinung des Beaujolais Primeur (auch als Beaujolais Villages Primeur), eines Weins, der mit Hilfe der Maceration carbonique vergoren und rund acht Wochen nach der Lese, in der Regel am dritten Donnerstag im November des Erntejahres, auf den Markt geworfen wird, ein frischer, fruchtiger, lebendiger und in seinen Spitzen köstlicher Wein für den unmittelbaren Genuss, doch sicherlich kein Wein von einer größeren Bedeutung. Doch heute wird bereits rund die Hälfte der Beaujolais-Erzeugung auf diesem Wege abgesetzt.

 

Le Beaujolais nouveau est arrive

Der neue Beaujolais ist angekommen !

Über die Grenzen hinaus bekannt und beliebt

Wenn diese Entwicklungen und Tendenzen dazu geführt haben, dass der traditionelle Beaujolais weitgehend verschwunden ist, so sollten doch zumindest die besten crus des Beaujolais nicht vergessen machen, dass das Gebiet weit mehr als gefällige Allerweltsweine hervorzubringen in der Lage ist und dass der Gamay bei entsprechenden Bedingungen außerordentlich seriöse und hervorragende Weine zu liefern vermag.

Mit mehr als 50 Millionen Flaschen pro Jahr gehören die Erzeugnisse aus dem Beaujolais zu den beliebtesten in ganz Europa und auch in Übersee. Zehn Appellationen (verarbeitet wird hier ausschließlich die Gamay-Rebe) des Nouveau bzw. des Primeur Beaujolais gibt es, und durch unterschiedliche Terroirs – Granit, Schiefer, Porphyr im nördlichen, Sandstein und Tonkalkstein im südlichen Bereich – weisen sie auch unterschiedliche Charaktere auf.