Die Champagne (französisch: La Champagne) ist eine historische Provinz Frankreichs. Sie ist östlich von Paris gelegen und Herkunftsgebiet eines der berühmtesten Weine der Welt: des Champagners.

 

Weinbauregion Champagne / Vignoble de Champagne

Das französische Weinbaugebiet Champagne

Die geografische Lage der Champagne befindet sich interessanterweise nicht im sonnigen Süden oder Südwesten des Weinlandes Frankreich, sondern an der nördlichen Grenze der französischen Weinbauzone. Reims liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Pilsen (um einen getränkerelevanten Vergleich zu ziehen); die Weinberge sind in einer Höhe von 90 bis 300 m angelegt. Das Klima unterliegt sowohl kontinentalem als auch atlantischem Einfluss, und das meist trockene, milde Wetter der Nachsaison ist für die Reife der Trauben ideal.

An durchschnittlich 1600 Stunden im Jahr scheint in der Champagne die Sonne, verteilt auf 290 Tage – klettert aber auch schon mal auf 2000 Stunden, wie dies 1976 der Fall war. Der Niederschlag verteilt sich über das ganze Jahr auf 650 bis 700 mm/qm. Aber es kann hier im Winter auch harten Frost geben, und wenn er noch einmal relativ spät, also nach Frühlingsbeginn, eintritt, kann er den Ertrag ebenso stark beeinträchtigen wie Sommerhagel. Und günstiger als eine Süd-, Südost- oder Südwest-Ausrichtung ist manchmal die geschützte Lage eines Hangs gegen Westwind.

Die 317 Gemeinden, in denen Champagner erzeugt wird, befinden sich in zwei zusammenhängenden Gebieten: Das eine ist die Gegend um Reims mit ihren Bergen im Süden und dem Marnetal einschließlich Epernay, etwa von Charly-sur-Marne im Westen bis Châlons-en-Champagne im Osten und Vertus (»Côte des Blancs«) im Süden; das andere, kleinere befindet sich südöstlich von Troyes und nennt sich Côte de Bar und Pays Baralbin (»Vignoble de l’Aube«). In ein paar Gemeinden, die im Nordost-Südwest-Streifen zwischen Sézanne und Villenauxe- la-Grande liegen, sowie in Montguex westlich von Troyes gibt es ebenfalls einige, wenn auch nicht allzu viele Anbauflächen, auf denen Reben für die Champagner-Erzeugung wachsen.

 

Die französische Weinbauregion Champagne

Blick auf die Weinlandschaft in der Champagne

Das Terroir und die Rebsorten

Die geologische Beschaffenheit der Champagne ist es, die ein so optimales, ja geradezu einmaliges Terroir für die dort angebauten Rebsorten darstellt. Der Boden besteht überwiegend aus Kalk und Lehmkalkstein, gelegentlich mit Sand und Torf durchmischt. Im Département Marne herrscht fast reine Kreide vor, abwechselnd mit kalkhaltigem Sand (westlich von Reims) und Mergel im Département Aisne, während unten im Département Aube Kimmeridböden vorherrschen. Die Kreide im Boden gewährleistet eine perfekte Entwässerung, wobei aber die verbleibende Feuchtigkeit für den Wein ein optimales Maß hat. Zugleich speichern Kalk, Mergel und Kimmerid die tagsüber aufgenommene Sonnenwärme und sorgen damit für einen idealen Temperaturausgleich in der kühlen Nacht.

 

Terroir und Rebsorten in der Champagne

Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonney, die Rebsorten der Champagne.

Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Meunier

Dreierlei Rebsorten werden in der Champagne angebaut: Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier. Die weißen Chardonnay-Trauben stehen auf 27 Prozent der Weinberge, vornehmlich an der Côte des Blancs (die daher auch ihren Namen hat). Sie ergeben Weine von delikatem, sehr frischem Aroma, tauglich zu langer Lagerung. Diese Eigenschaft kommt in den Champagner-Cuvées Blanc des Blancs besonders zum Ausdruck. Auf 38 Prozent der gesamten Anbauflächen steht Pinot Noir. Seine blauen Trauben geben einem Champagner Struktur und Ausdruckskraft. Pinot Noir baut man hauptsächlich in den Gebieten Montagne de Reims und Côte des Bar an. Die restlichen 35 Prozent sind mit dem als sehr widerstandsfähig geltenden Pinot Meunier bepflanzt, ebenfalls eine blaue Traube; sie kommt mit weniger Sonnenwärme aus und schafft in Jahren mit kühlen Sommern einen Ausgleich, falls der Ertrag von Pinot Noir nicht optimal anfällt. Ihr intensives, fruchtiges Aroma verdankt so manche Cuvée einem höheren Pinot-Meunier-Anteil. Größere Häuser vermögen durch Zukauf solche Ungleichmäßigkeiten im Leseertrag zu kompensieren, und die Kunst der Oenologen besteht darin, in jedem Jahr dennoch einen gleichen Champagner hinzubekommen, Bei kleineren Häusern können sich unterschiedliche Erträge in den Cuvées eher bemerkbar machen; einen Champagner mit höherem Pinot-Meunier-Anteil erkennt der Experte schnell.

 

Blick über die französische Weinregion Champagne

Die Landschaft der Champagne ist geprägt von weitläufigen Anbauflächen.

43 Premiers Crus, 17 Grands Crus und 15.500 Winzer

Innerhalb der Region, die zur Appellation Champagne AOC gehört, gibt es rund 250 Handelshäuser, etwa 40 Coopératives (Winzergemeinschaften bzw. Genossenschaften) und mehr als 15.500 selbständige Winzerbetriebe. Die meisten Handelshäuser besitzen auch eigene Rebflächen, die aber in der Summe nur 12 Prozent der Gesamt-Anbaufläche der Champagne ausmachen – und dennoch tätigen diese Unternehmen mehr als 70 Prozent des jährlichen Champagner-Gesamtumsatzes. Dieses Volumen erreichen sie, weil Trauben von zahlreichen kleinern Winzerbetrieben hinzugekauft werden.

95 Prozent des Weltmarktes werden von 97 Häusern bedient:

Wie stark die Position der großen Häuser ist, lässt eine weitere Zahl erkennen: 95 Prozent des Weltmarktes werden von nur 97 Firmen bedient. Doch diese sind mit mehr als etwa nur der gleichen Zahl von Marken vertreten – es sind gut zehn Mal so viele. Denn viele Häuser vermarkten ihre Erzeugnisse (wie es in der Markenartikelindustrie üblich ist) unter einer Reihe von weiteren Bezeichnungen, etwa für Handels- und Supermarktketten.

»Nur« 97 Markennamen… von mehr als 3000! Würde jeder der 15.500 Winzer seine Ernte selbst vinifizieren und seine Erzeugnisse unter eigenem Namen auf den Markt bringen, kämen wir also auf mindestens 20.000 Marken, multipliziert mit je fünf Cuvées… Doch es sind immer noch etwa 1500 selbst vermarktende Winzer und jene 40 Coopératives, die zur Champagner-Markenvielfalt beitragen (und es schwer gemacht haben, eine Auswahl für dieses Buch zu treffen).

 

Commune á Appellation ChampagneDie Grand-Cru-Elite: 17 Gemeinden

Die höchste Qualitäts-Klassifikation ist der Grand Cru. Nur 17 Gemeinden können sich rühmen, aufgrund ihres Terroirs zur Grand-Cru-Elite zu gehören, es sind dies von Nord nach Süd: Sillery, Puisieux, Beaumont-sur-Vesle, Verzenay, Mailly-Champagne, Verzy, Louvois, Bouzy, Ambonnay, Aÿ, Tours-sur-Marne, Chouilly, Oiry, Cramant, Avice, Oger sowie Le Mesnil-sur-Oger. Sie alle, wie auch
die 43 Premier-Cru-Lagen, befinden sich im Département Marne. Grand Cru wird gleichgesetzt mit 100 Prozent. Die Premiers Crus werden nach der gleichen prozentualen Skala bewertet, die von der INAO festgelegt wurde. Sie reicht von 99 Prozent in Mareuil-sur-Aÿ sowohl für weiße als auch für rote Rebsorten über 95 Prozent (Cuis, Dizy oder Vertus), 94 Prozent (Ludes, Taissy) und 93 Prozent (Avenay, Hautvillers) bis 90 Prozent (Chaméry, Pierry, Villedommange).

Was ist ein Hektar Rebfläche wert?

Die Bewertung einer Rebfläche wie auch die Preise für jedes geerntete Kilogramm Trauben unterliegen einem festen Reglement. 2005 war ein Hektar Grand Cru rund eine Million Euro wert (eine 90%-Premier-Cru-Lage dementsprechend 90 Prozent dieses Betrages), und ein Kilo Grand-Cru-Trauben notierte mit 4,96 Euro. Diese Festlegung trifft das Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne (CIVC). Wären die Preise auf dem Markt frei aushandelbar, gäbe es innerhalb weniger Jahre keinen Mittelstand selbständiger Winzer mehr – die Konzerne würden alles Rebland aufkaufen und wären noch mächtiger als sie jetzt schon sind.

 

Die Arbeit im Weinberg

Behutsame Pflege der Rebstöcke

Die Arbeit im Weinberg

Auch für die Bebauung der Weinberge in der Champagne gelten – wie in allen anderen Weinbaugebieten Frankreichs – verbindlich vorgeschriebene Regeln. Sie besagen unter anderem, dass der Abstand der Reben zueinander 0,90 bis 1,50 m betragen soll, der Reihenabstand maximal 1,50 m. Beide Maße zusammen müssen unterhalb von 2,50 m liegen. Daraus ergibt sich ein Maximum von 10.000 Rebstöcken pro Hektar und ein Minimum von 7000.

Auf chemische Bodendüngung verzichtet man heute zur Gänze. Es wird mineralisch gedüngt, und auch das nur in dem gerade notwendigen Maße. Um die notwendige Humusschicht auf den Böden zu erneuern, werden zerschrotete Ranken aufgetragen, angereichert mit organischen Stoffen und Rindenmulch.

Rebenschnitt:

Auch der Schnitt der Rebstöcke (»taille«) findet nach festen Regeln statt. Man kennt in der Champagne den Chablis-Schnitt (für alle Rebsorten und Crus), den Cordon- Schnitt (ebenfalls für alle Rebsorten und Crus), den Guyot-Schnitt (für alle Rebsorten, jedoch nur bei den zwischen 80 und 89% eingestuften Crus) sowie den Valléede-la-Marne-Schnitt (angewendet bei Pinot Meunier und nur bei den zwischen 80 und 89% eingestuften Crus). Wichtig ist das Beschneiden (»rognage«) der Rebstöcke. Die an Drähten, die zwischen den Stöcken gezogen sind, angebundenen Reben bekommen im Frühjahr ihren Austrieb; jetzt werden eine Anzahl von Knospen bzw. Sprießen abgeschnitten, so dass sich die fruchttragenden Zweige stärker entwickeln können. Zwei weitere Beschnitte folgen Ende Juli und Mitte August, um das Wachstum der reifenden Trauben zu fördern.

Vor der Blüte findet die »palisage« statt. Darunter versteht man das Anheben der Rebzweige an den Drähten zwischen den Stöcken und das Befestigen daran, wobei das Blattwerk möglichst gleichmäßig verteilt werden muss: für die Aufnahme von Sonnenlicht durch die Blätter (Photosynthese) und zur Vermeidung von Feuchtigkeits-Konzentration auf von Blättern verdeckten Trauben. Eine sehr arbeitsintensive Beschäftigung, die Erfahrung und Geschicklichkeit voraussetzt.

Pflanzenschutz:

Im Weinbau plagt man sich seit jeher mit der Bekämpfung natürlicher Feinde, die den Aufwand des Winzers zunichte machen können. In den Champagner-Bergen sind dies der so genannte falsche und der echte Mehltau, der Rotbrand, die Graufäule. Zu den Holzkrankheiten zählen die Esca-Krankheit und die Eutypiose. Schließlich gibt es noch Milben und die lästigen Traubenwürmer. Also müssen Maßnahmen getroffen werden, um die Plagen zu bekämpfen, wobei man Möglichkeiten entwickelt hat, auf schwere chemische »Keulen« weitgehend zu verzichten und ökologisch durchdachte Schutzmaßnahmen wirkungsvoll anzuwenden.