Das ungarische Weinanbaugebiet Villány-SiklósDie berühmteste Rotweinregion des Landes liegt in Südungarn nahe der kroatischen Grenze, an den Südund Ost-Hängen des Mecsek- und des Villányer Gebirges. Das Gebiet teilt sich, wie der Name schon vermuten lässt, in die Bezirke Villány und Siklós. Die Dörfer Villány und das malerische Villánykövesd, mit den hübschen Kellerreihen übereinander am Hang, liegen im Osten, die Kleinstadt Siklós etwa in der Mitte des Gebietes. Die besten Lagen, alle im Villányer Bezirk, tragen die netten Namen: Jammertal (das wurde so ins Ungarische übernommen), Ördögárok (Teufelsgraben), Csilagvölgy (Sterntal), Kopár (Kahl), Konkoly (Unrage) und den unübersetzbaren und auch für Ungarn unverständlichen Zuhánya.

Das gesamte Anbaugebiet beträgt 4.522 Hektar, davon gehören 2.911 zur Klasse I., die mit Reben bepflanzte Fläche ist mit cirka 1.600 Hektar ausgesprochen klein. Das Klima ist submediterran, der Frühling kommt so früh wie nirgends im Land, die Sonne scheint über 2.000 Stunden, und damit länger als überall in Ungarn – aber auch in Kalifornien.

Ein kleines Dorf in der Region Villány-SiklósDer Unterboden ist zum Teil ein Dolomitfels aus der Trias-Zeit, zum Teil Kalk aus den Jura- und Kreta- Epochen. Auf dieser Grundlage liegen Lössböden, teils mit Lehm, teils mit Sand gemischt. Obwohl Villány als Rotweinregion gilt, wird auf der größten Fläche (306 Hektar) Welschriesling angebaut, dem folgen Chardonnay, Rheinriesling, Lindenblättriger, Müller-Thurgau und Traminer. Unter den roten Trauben führt der Blaue Portugieser, gefolgt von Cabernet Sauvignon, Blaufränkisch, Zweigelt, Cabernet franc und Merlot. Neuerdings wurden auch Pinot noir und Kadarka gepflanzt. Die beiden Reben hat es auch früher hier schon einmal gegeben, doch waren sie in den Wein-unseligen Zeit der Diktatur des Proletariats verschwunden. In Villány-Siklós ist die Weiß- und Rotweinproduktion etwa ausgeglichen. Das heißt: In Siklós dominieren die hellen, in Villány die dunklen Trauben.

Die Weißweine von Siklós sind bemerkenswerterweise (weil in Ungarn einzigartig) verhältnismäßig säurearm, dafür alkohol- und extraktreich. So glänzen sie nicht durch Frische sondern durch Fülle. Schnell trinkbar und durch seine seidige Weichheit beliebt ist der Blaue Portugieser – ob aus Siklós oder Villány. Doch alle anderen, zumal die Villányer, besonders wenn sie ertragsreduziert entstanden und extraktreich sind, viel Säure und Tannin enthalten – reifen im Holzfass mindestens fünf bis sechs Jahre. Noch länger brauchen die Cabernet- Reben bzw. die Cuvées im Barrique. Mit extrem viel Körper, ähneln sie den großen Bordeaux-Weinen – und gewinnen auch schon mal eine Goldmedaille dort. Die guten Jahrgänge ab 1997 werden auch noch nach 15 bis 20 Jahren genießbar – zweifellos gute Aussichten.

Die besten Jahrgänge:
1988, 1991 (gut für rot und weiß), 1992 (mittelmäßig für Weiß-, gut für Rotweine), 1993 (gut für Weiß- exzellent für Rotweine), 1995 (exzellent für beide), 1996, 1997 (gut für beide), 1999 und 2000 (gut für Weiß- exzellent für Rotweine), 2001 und 2002 (mittelmäßig für Weiß-, gut für Rotweine), 2003 (exzellent für beide), 2004 (gut für beide).

In Villány-Siklós leben und abreiten die meisten Stars der ungarischen Winzerszene. Die experimentierfreudigen Herren komponieren immer wieder neue Cuvées, meist aus Cabernet Sauvignon, Cabernet franc, Merlot oder Blaufränkischer statt Merlot. Etwa zwei Drittel wird sortenrein gekeltert.