Aglianico ist eine süditalienische rote Rebsorte, vermutlich antiken griechischen Ursprungs, die für einige der bedeutendsten süditalienischen Rotweine verantwortlich ist.

 

Aglianico (Rebsorte, rot)

Aglianico ist eine rote Weinsorte, die zu den ältesten autochthonen Traubenarten Italiens gehört. Ihr Vorkommen beschränkt sich hauptsächlich auf den Süden Italiens, vor allem Kampanien und die Basilikata, wo sie dank des trockenen Klimas und der zahlreichen Sonnenstunden unter optimalen Bedingungen gedeihen kann. Sie gehört zu den eher spät reifenden Rebsorten, die Erntephase reicht nicht selten bis in den November hinein. Ihre verhältnismäßig dicke Schale ist reich an Gerbstoffen und Farbpigmenten.

Der Aglianico del Vulture ist tieffarben und verfügt oftmals über eine derartige Tanninfülle, dass er in seiner Jugend unnahbar erscheint und etliche Jahre des Alterns und der Reife bedarf, um sich zu runden. Dank seines mittleren Alkoholgehalts (um 12-12 ,5 % vol.) wirkt er dann nicht kopflastig, sondern samtigvoll, mit differenziertem Charakter, der ihn weit über den Durchschnitt der süditaliensichen Rotweine heraushebt.

 

Ursprung und Verbreitung

Aglianico ist mit der jahrtausendealten Geschichte des italienischen Weinbaus verwoben wie kaum eine andere Rebsorte. Einer alten Legende zufolge soll zwar Bacchus, Gott des Weines und der Fruchtbarkeit, einst höchstpersönlich vom Himmel herabgestiegen sein und die Hänge des Monte Massico an der Küste Kampaniens mit ihr bestückt haben. Tatsächlich aber brachten die Griechen vor ca. 2500 Jahren die Traube ins Land, als sie sich in Apulien niederließen. Der Name Aglianico ist dabei vermutlich aus der Verballhornung der ursprünglichen lateinischen Bezeichnung „vitis hellenica“ entstanden.

Es ist durchaus möglich, dass Aglianico Grundlage für den in der Antike gerühmten Falerner-Wein war. Dem einstigen Anbaugebiet des legendären Rebensafts am Fuße des Monte Massico erweist der noch immer dort produzierte Falerno del Massico zumindest namentlich Ehre. Ob allerdings der erzeugte Rotwein, der anteilig aus Aglianico besteht, dem antiken Falerner entspricht, lässt sich heute leider nicht mit Gewissheit sagen. Dennoch gilt als gesichert, dass die Sorte seit ihrer Einführung durch die Griechen bis in die Gegenwart ununterbrochen kultiviert wurde.

Vom Einfall der Reblaus nach Europa blieb in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch der Süden Italiens nicht verschont. Während der Weinbau europaweit annähernd zum Stillstand kam, gelang es dem Schädling jedoch nicht, die fest im vulkanischen Boden verwurzelten Aglianico-Rebstöcke zu befallen. Somit ist die Sorte in ihrer Heimat bis heute eine der wenigen größtenteils wurzelechten Gewächse geblieben. International fanden die Aglianico-Weine lange Zeit nur wenig Beachtung und waren hauptsächlich von regionaler Bedeutung. Seit im Jahr 1993 das Anbaugebiet Taurasi in der Provinz Avellino mit dem DOCG-Status geadelt wurde, erlebt die Rebsorte aber ihre längst fällige Renaissance.

 

Anbaugebiete

Der letzten offiziellen Erhebung gemäß sind in Italien etwa 10 000 ha Rebfläche mit Aglianico bepflanzt, wobei der allergrößte Teil davon auf das ursprüngliche Kerngebiet, Kampanien und die Basilikata, entfallen. Weitere Bestände finden sich vor allem im benachbarten Apulien. Als renommierteste Anbaugebiete für Aglianico gelten die DOCG Taurasi (ca. 230 ha) in Kampanien und die DOC Aglianico del Vulture (ca. 1400 ha) in der Basilikata. Die hier hergestellten Weine gelten als besonders charaktervoll und stehen weltweit hoch im Kurs. Die Rebsorte ist außerdem wichtiger Bestandteil der weitaus weniger bedeutsamen DOC-Gebiete Falerno del Massico, Biferno, Castel del Monte, Cilento, Solopaca, Vesuvio und Sant’Agata de’ Goti. Darüber hinaus kommt sie auch in zahlreichen Landweinen der Region zum Einsatz, wobei in diesem Segment vor allem in Apulien vereinzelte Bestrebungen zu erkennen sind, zu den höherwertigen Qualitäten aufzuschließen.

Auch im Ausland ist man sich vermehrt des Potentials bewusst, die in der lange ignorierten Rebsorte steckt. So wird etwa in Kalifornien und im australischen Inland seit einiger Zeit der Anbau erprobt, wo Aglianico ähnlich trockene und heiße Bedingungen vorfindet wie auf heimischem Boden.

 

Ausbau und Geschmack

Während Aglianico einem Verschnitt zu robuster Struktur und gewisser Tiefe verhelfen kann, zeichnet er sich sortenrein durch Körper und Aromenfülle, in seiner Jugend oft aber auch durch eine gewisse Strenge aus. Zu früh geerntet, können Adstringenz und Säure allzu deutlich hervortreten, weswegen für einen hochklassigen Aglianico-Wein voll ausgereifte Trauben unerlässlich sind. Den Herkunftsbestimmungen gemäß muss ein solcher Wein der DOC Aglianico del Vulture zu 100% sortenrein ausgebaut werden, während sowohl DOCG Taurasi und DOC Aglianico del Taburno Anteile von bis zu 15% weiterer regionaler Rebsorten gestatten.

Die Weine aus Taurasi und Aglianico del Vulture verbringen nach der Vinifizierung mindestens drei Jahre im Holzfass bzw. Barrique, bevor sie nach kurzer anschließender Flaschenreifung auf den Markt gelangen. Auf diese Weise entfalten sie die für sie typischen Aromen nach Tannin, reifen dunklen Kirschen, Veilchen, Schokolade und Tabak. Ein hochwertiger Aglianico-Wein bietet beachtliches Reifepotential und lässt sich bedenkenlos über Jahre hinweg lagern; dieser Umstand sowie seine beachtliche Charaktertiefe stellen ihn durchaus auf eine Stufe mit den elegantesten Gewächsen Norditaliens. Nicht umsonst hat sich etwa der Aglianico del Vulture um den Spitznamen „Barolo des Südens“ verdient gemacht.

 

Aglianico genießt man am besten zu…

Ein Aglianico ist nicht nur adäquater Begleiter der herzhaften Wurstwaren Süditaliens, sondern passt auch hervorragend zu vielen landestypischen Pastagerichten mit Fleisch. Auch zu Wild oder Rindersteak ist er eine empfehlenswerte Ergänzung.