Amarone ist einmer der berühmtesten Rotweine Italiens, ein trocken vinifizierter Recioto della Valpolicella, ein sog. Strohwein, der aus dem Most von luftgetrockneten, teilrosinierten Trauben, den gleichen wie für den normalen Valpolicella, erzeugt wird. Auf diese Weise entsteht ein tieffarbener, langsam reifender und sehr langlebiger Rotwein von mindestens 14 % vol. Alkohol, oft auch mehr, dessen Schwere, wenn voll gelungen, durch Rasse, Charakter und eine gewisse Eleganz und Samtigkeit ausgeglichen wird.

 

Amarone (Rebsorte, rot)

Der Amarone ist eine der größten Ausnahmeerscheinungen unter den italienischen Rotweinen und gilt zusammen mit dem Barolo und dem Brunello zu den herausragenden Weinen Italiens. Er ist sozusagen eine Weiterentwicklung des Ricioto, der wie der Amarone aus der Gegend des Valpolicella in Venetien stammt, und ein allenthalben sehr geschätzter Süßwein ist, dem Portwein nicht unähnlich. Er wird aus den mehrere Monate getrockneten Traubensorten Molinara, Corvinone Veronese, Corvina und Rondinella hergestellt. Beim Portwein jedoch wird der Gärungsprozess durch die Zugabe von Branntwein gestoppt, um den Zuckergehalt zu erhalten, der Ricioto bekommt und behält seine Süße ausschließlich durch die Zuckerkonzentration in den getrockneten Trauben. Der Amarone ist nun durch einen Fehler in diesem Herstellungsprozess eher durch Zufall entstanden.

 

Ursprung und Verbreitung

Der in der Region Valpolicella angebaute Wein, in der Regel ein gut trinkbarer, eleganter, nicht sehr kapriziöser Wein, ist der Valplicello Classico, der aus den gleichen Trauben wie seine Brüder Ricioto und Amarone hergestellt wird. Nur in besonders guten Jahren haben die Winzer schon seit langer Zeit die besten Trauben zurückgehalten, sie mehrere Monate trocknen lassen und daraus eben den Süßwein mit dem Namen Ricioto hergestellt. Dieser ist schon lange als hochwertiger Dessertwein bekannt und beliebt. Der Herstellung dieses Weines unterliegt jedoch gewissen Risiken. Denn wenn das Ende des Gärungsprozesses im Wein selber liegt und nicht durch eine Zugabe von Außen gestoppt wird, kann dieser Prozess auch schon mal schief gehen. Dies ist, soweit man das nachverfolgen kann, zum ersten Mal in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts dokumentiert.

In einem großen 1000 Liter Fass der Cantina Valpolicella in Negrar nahm der Gärungsprozess nach einer Weile wieder auf und der hohe Zuckergehalt verwandelte sich durch die in der Flüssigkeit enthaltenen Hefe quasi unbemerkt in Alkohol. Was zunächst als ärgerliches Missgeschick angesehen wurde, erwies sich bald als Geniestreich des Schicksals. Der aus der erneuten Gärung hervorgegangene Wein hatte einen Alkoholgehalt von 15 oder gar 16 Prozent und eine ungeahnte Intensität im Geschmack. Abgeleitet vom Namen „Ricioto amaro“ wurde die neue Kreation Amarone genannt. Diese war eingangs in Italien, aber auch im Rest Europas aufgrund des völlig ungewohnten Geschmacks nicht vermittelbar und nicht verkäuflich. Der erste Absatzmarkt für diesen neuen, ungewohnten Wein war Kanada. Dies änderte sich erst, als in den 80er Jahren eine Vorliebe für ungewöhnliche Weine aufkam und der Amarone seinen Siegeszug auch bei den Weinliebhabern antrat.

 

Anbaugebiete & Reifeverlauf

Im Valpolicellagebiet nördlich von Verona liegen viele von Nord nach Süd aus den Voralpen kommende, schmale und tiefe Täler, in denen die Trauben zuerst für den Valpolicello Classico, dann auch für den Ricioto und den Amaro heranreifen. Kühle Nordwinde aus den Alpen sorgen hier für ein ganz spezielles Klima. Das traditionelle Gebiet des Classico liegt rund um die bedeutendsten Weinorte Fumane und Negrar. Die Produktionsmethode hingegen ist teilweise dem Zufall geschuldet.

Im Prinzip ist der Amarone eine Weiterentwicklung des Ricioto, der nach einem Süßweinverfahren hergestellt wird. Die Produktionsweise dieses Süßweins beruht auf einem labilen Gleichgewicht zwischen Zucker- und Alkoholgehalt und das Risiko eines Umkippens in einen erneuten Gärungsprozess, der den enthaltenen, nicht unerheblichen Restzucker auch noch in Alkohol verwandelt, ist immer gegeben. Das Ergebnis aus diesem „Unfall“ ist jedoch der Amarone, der heute zu den ungewöhnlichsten Weinen Italiens gehört. Er wird heute bewusst so produziert, wie es zum ersten Mal aus Versehen passiert ist.

Der erste Schritt in diese Richtung ist das Trockenen der besten Trauben der Region auf kühlen Dachböden. Dieser Vorgang nennt sich „Appassimento“ und dauert bis zu 120 Tagen. In dieser Zeit verlieren die Trauben bis zu einem Drittel ihres Gewichtes, enthalten nur noch wenig Wasser, dafür aber eine hohe Konzentration an Fruchtsüße und an Säure gleichzeitig. Hier wird der Grundstein gelegt für den Eindruck von Süße, den der Wein später vermittelt, ohne wirklich viel Zucker zu enthalten. Der weitere Prozess ist auch eine Gratwanderung. Die Maische muss gut überwacht werden und nach dem Filtern muss der Wein mindestens drei Jahre in Holzfässern gelagert werden. Die Qualität dieser Fässer bestimmt auch die des zukünftigen Weines. In Barriques wird oft zu viel Tannin in den Wein gespült und da er ohnehin schon eine gewisse Bitterkeit aufweist kann dies schnell zu viel werden.

 

Amarone genießt man am besten zu…

Ein guter, trinkbarer Amarone hat leichte Rumtopf-Aromen von Zwetschgen, Rosinen, Wintergewürzen oder Kirschlikör und Schokolade. Heute sind die Amarone-Produzenten dazu übergegangen, die Beeren eine Zeitlang im eigenen Saft stehen zu lassen und erst danach den Gärprozess in Gang zu setzten, um die Fruchtaromen so intensiv wie möglich zu erhalten. Auch wird der Wein nun oft in Eichenfässern gelagert, die nicht so viele Gerbstoffe abgeben. So entsteht ein Wein, der einen runden, ausgewogenen Charakter hat und trotz seiner Schwere und seines Alkoholgehalts gut trinkbar ist.

Zu einem solchen Schwergewicht passen dann auch nur Gerichte, die hierzu einen Gegenpol bieten können, wie Rindfleisch- oder Wildgerichte. Auch einige Pilzgerichte sind köstlich mit einem guten Amarone.