Australien; Wein gelangte erst durch die europäischen Siedler auf den fünften Kontinent, und zwar vor 200 Jahren im Jahr 1788, als die ersten Reben in der Nähe des heutigen Sydney angepflanzt wurden. 1830 brachte James Bushby 20000 Blindreben von mehr als 600 verschiedenen Rebsorten von Europa nach Australien, um ihre Eignung für den Weinbau in Australien zu prüfen. Seither gibt es nicht nur eine breite Palette europäischer Rebsorten in Australien bis zur Gegenwart, sondern vielfach immer noch den Gebrauch, eigene Weine mit europäischen Ursprungsbezeichnungen wie Sherry, Portwein u. a. zu belegen.

Trotz zahlreicher Rückschläge hat der australische Weinbau in den zurückliegenden Jahrzehnten einen spektakulären Aufschwung genommen, und dies sowohl unter quantitativen wie qualitativen Gesichtspunkten. Zwar hat sich die Rebfläche in den letzten 20 Jahren bei etwa 60 000 ha stabilisiert, auf denen jährlich gut 4 Mill. hl Wein erzeugt werden. Doch die Australier haben allen Grund, diese zu schätzen: Mit inzwischen 19 l pro Kopf und Jahr sind sie statistisch außerhalb Europas nach den Argentiniern, Chilenen und Uruguayern die größten Weintrinker der Welt.

Angesichts der geographischen Lage und der klimatischen Bedingungen des Kontinents beschränkt sich der Weinbau auf eine Fülle unterschiedlich großer Weinbauinseln im äußersten Südosten des Landes bzw. zu einem erheblich kleineren Teil auf die Südwestecke des Kontinents in der Nähe von Perth, in Westaustralien. Die nächsten Rebstöcke stehen einige tausend Kilometer weiter östlich im Südosten von Südaustralien, dem größten australischen Weinstaat, und daran angrenzend in Victoria, Neusüdwales und auf der Insel Tasmanien. Kleinere Rebflächen im Bundesdistrikt von Canberra sowie in Queensland fallen quantitativ wie qualitativ nicht ins Gewicht.

Australische Weine finden heute in ihren Spitzen vor allem als Rotweine Beachtung. Als die führende Sorte gilt der Syrah, der in Australien Shiraz genannt wird, mit fast 5800ha und in seinen Spitzen großartigen Qualitäten, darunter der bedeutendste australische Rotwein, der Grange Hermitage. Sehr im Kommen ist wie überall auf der Welt der Cabernet Sauvignon mit derzeit knapp 5500ha und einigen exzellenten Weinen. Eine australische Besonderheit ist dabei der recht verbreitete Verschnitt zwischen Cabernet Sauvignon und Shiraz, der sonst nirgendwo auf der Welt praktiziert wird, hier aber durchaus hervorragende Ergebnisse zu liefern vermag. Geringere Rollen spielen Grenache (2000ha), Pinot noir (1250ha) und Merlot (700ha). Unter den weißen Sorten, die zwei Drittel der australischen Rebfläche ausmachen, führen Chardonnay (5200 ha) und Riesling (3700 ha) deutlich vor Semillon (2900ha) und Sauvignon (1000ha).

Mit der Verbesserung der önologischen Kenntnisse und der technischen Ausrüstungen haben auch die trockenen Weißweine stark an Bedeutung gewonnen. Während Riesling (vor allem im Barossa Valley) und Semillon (vor allem im Hunter Valley) nach wie vor gepflegt und vielfach geschätzt werden, scheint die nähere Zukunft anderen Sorten zu gehören. So nimmt der Sauvignon rasant an Verbreitung zu, und der vor 1970 in Australien praktisch unbekannte Chardonnay gilt heute als das Aushängeschild australischer Spitzenweißweine. Die Zukunft des australischen Weinbaus und seiner Weine verspricht, nur noch interessanter zu werden.

80 % der australischen Weinerzeugung werden heute von 12 großen Aktiengesellschaften, teilweise mit ausländischer Beteiligung, kontrolliert. Als die vier größten gelten die Penfolds Wine Group (Penfolds, Seppelts, Lindemans, Wynns, Seaview u. a.), die Orlando Wyndham Group (Orlando, Wyndham Estate, Morris u. a.), BRL Hardy Ltd. (Hardy, Berri-Renmano, Houghtons, Chateau Reynella, Barossa Valley Estates u. a.) und Mildara Blass Ltd. (Mildara, Wolf Blass, Krondorf, Eaglehawk u. a.). Weitere große Gesellschaften sind Yalumba, McWilliams, Tyrrells, Rosemount, De Bortoli, Brown Brothers u. a.