Reich an Aroma und intensiv im Geschmack gilt der Cabernet Franc als ein optimaler roter Verschnittwein.

Cabernet Franc ist eine in Frankreich von der westlichen Loire bis nach Bordeaux und Bergerac verbreitete rote Rebsorte, die als Verwandte des Cabernet Sauvignon gilt, jedoch früher austreibt und reift als dieser und etwas höhere Erträge bringt. Sie gehört neben dem Cabernet Sauvignon, Merlot, Carménère, Malbec und Pitit Verdot zu den sechs für Bordeaux-Weine zugelassenen Rebsorten. Ihre Weine sind meist etwas schlanker, weniger tanninbetont, früreifender und eleganter als jene des Cabernet Sauvignon – er wird deshalb auch oft als „kleiner Bruder“ des Cabernet Sauvignon bezeichnet. Die Rebsorte ist anfällig für verschiedene Pilzkrankheiten. Die kleinen Beeren von bläulich-schwarzer Farbe entfalten ihr interessantestes Aromaprofil in einem relativ kleinen Zeitfenster, in den die Lese erfolgen sollte.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit aus alten Wildreben selektiert, gilt der durch starke Jahrgangsschwankungen charakterisierte Cabernet Franc allerdings als nicht ganz unumstritten. In der Regel kann man sagen, dass sie dort, wo der Cabernet Sauvignon optimale Bedingungen findet, diesem qualitativ unterlegen ist, so dass sie heute, zumal im Médoc und in den Graves nur noch eine untergeordnete und rückläufige Rolle spielt. In kühleren Gegenden, in denen der Cabernet Sauvignon durchweg nicht mehr ausreift, ist sie ihm jedoch deutlich überlegen, etwa in Saint-Emilion und Pomerol, wo sie Bouchet genannt wird, aber auch an der Loire, wo sie seit Jahrhunderten als Breton bekannt und geschätzt ist.

 

Bedeutung und Geschichte des Cabernet Franc

Die eindeutig größte Wertschätzung erfährt der Cabernet Franc in seinem Ursprungsland Frankreich. Während er auf den großen Weingütern in der Gegend von Bordeaux überwiegend als Verschnittwein angebaut wird, wird er auf einigen Weinbaugebieten an der Loire auch reinsortig ausgebaut.
Seine vorrangige Bedeutung liegt jedoch in der Verwendung als Verschnittwein, wo er seine Qualitäten in unterschiedlichen Anteilen mit Cabernet Sauvignon und Merlot zur Wirkung bringen kann. Diese liegen vor allem in einer geringen Adstringenz, die von einem im Vergleich zum Cabernet Savignon niedrigeren Tanningehalt beeinflusst wird. Auch ergeben seine bei entsprechender Reife gelesenen Beeren eine hohe aromatische Komplexität. Zusätzlich verfügt die Rebsorte über angenehm kühlende Eigenschaften, wodurch die Assemblagen einen frischen Charakter erhalten.

Die Weinsorte Cabernet Franc ist bereits seit Jahrhunderten bekannt. Einige Quellen datieren die ersten Anpflanzungen auf das Jahr 1089. Mit Sicherheit ist dagegen der Beginn ihres Anbaus an der Loire belegt, den kein Geringerer als Kardinal Richelieu im Jahr 1631 veranlasst hat. Dort wurde der Cabernet Franc in seinem Kloster St-Nicolas-de-Borgueil angepflanzt. Neben dem über Jahrhunderte nachgewiesenen Anbau im Weinbaugebiet Bordeaux erfuhr die Sorte vor allem auf Rebflächen eine gewisse Beachtung, deren Böden lediglich mittleren Anforderungen entsprechen und die für ihr eher kühleres Klima bekannt sind.
Bedeutsam für die Geschichte des Cabernet Franc sind die Jahre 1997 und 2009. 1997 konnte auf der Basis durchgeführter DNA-Analysen die Verwandtschaft zum Cabernet Sauvignon nachgewiesen werden. Dieser wiederum ist aus einer Kreuzung des Cabernet Franc mit dem weißen Sauvignon Blanc hervorgegangen.
Zwölf Jahre danach wurde seine Verwandtschaft mit der Sorte Merlot bestätigt.

 

Anbaugebiete

Der Anbau des Cabernet Franc erfolgt in den einzelnen Anbaugebieten unter verschiedenen Namen. Die mit Abstand größte Anbaufläche mit insgesamt circa 37.000 ha befindet sich in Frankreich in den Weinbaugebieten von Bordeaux und an der Loire. Wesentliche kleinere Flächen sind in der italienischen Landschaft des Friaul, im Weinbaugebiet Villányer in Ungarn, in Spanien, Kalifornien, Südafrika, Brasilien und Australien zu finden.
In Europa wird die Rebsorte außerdem auf recht kleinen Flächen in der Größenordnung zwischen 20 und etwa 50 ha in Deutschland, Österreich und in der Schweiz angebaut.

 

Ausbau und Geschmack

Die Qualität der Reinkulturen des Cabernet Franc hat sich in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten bedingt durch die Erscheinungen des Klimawandels vor allem an der Loire beträchtlich erhöht. So zählen die im Holzfass ausgebauten Rotweine aus Chinon ebenso wie die Bourueil-Weine zu den besten urfranzösischen Rotweinen, die sich allerdings in Deutschland nur schwer verkaufen lassen.
Dabei kann sich ein Cabernet Franc, der auf den Tuffsteinböden diverser Hanglagen reift und danach einen eigenständigen gerbstoffhaltigen Charakter erhält, deutlich unterscheiden von einem Rotwein der gleichen Rebsorte, der auf leichteren Sand- und Kiesböden die Voraussetzung für sein fruchtiges, an Himbeeren und Schwarze Johannisbeeren erinnerndes Aroma sowie seinen kühlen und frischen Charme erhalten hat.

Einen unterschiedlichen Ausbau und Geschmack weisen auch die für ihre Verwendung zum Verschnitt vorgesehenen Weine auf. Wie ein roter Faden begleitet jedoch sein würziger Duft nach grünem Pfeffer und frischen Kräutern und das kühl wirkende Aroma von Süßholz und Veilchen seinen nicht alltäglichen Charakter. Voraussetzung hierfür sind der richtige Zeitpunkt der Lese, die Reife der Trauben und das Vermeiden zu hoher Erträge.
Die prozentualen Anteile des Cabernet Franc am jeweiligen Cuvée entscheiden sich je nach der Ernte und können so von 0 Prozent in schlechten Jahren bis 30 Prozent und höher in Jahren mit besonders auskömmlicher Reifezeit reichen.

Rotweine, denen die Rebsorte Cabernet Franc ihre ganz besondere Note verleiht oder die als deren Sortenwein gelten, passen besonders gut zu Wild, rotem Fleisch oder zu würzigem Käse.

Ein abschließender Gedanke soll dem als Kultwein geltenden legendären Rotwein Château Petrus aus dem Pomerol in Bordeaux gelten. Immerhin ist dieser als einer der teuersten Weine überhaupt gehandelte Wein aus einer Merlot-Traube gekeltert, der zumindest in einigen Jahrgängen mit einem kleinen Anteil Cabernet Franc verschnitten wurde und wird.