Chianti ist „der klassische Rotwein“ aus der gleichnamigen Weinregion in der Toskana. Er ist für viele der Inbegriff italienischen Weins schlechthin, und es hat Zeiten gegeben, in denen der Chianti mit seiner strohumflochtenen Flasche, dem fiasco, als nahezu vollendeter Ausdruck italienischer Lebensfreude galt.

 

Chianti (Rebsorte, rot)

Die italienische Bezeichnung Chianti kann zweierlei bedeuten. Einerseits definiert sie eine bestimmte DOCG-Herkunftsbezeichnung und die dazu gehörige Weinbauregion in der Toskana. Andererseits bezeichnet der Name Chianti einen genau definierten Rotweintyp, der in dieser Region erzeugt wird. Der Chiantiwein ist damit untrennbar mit der gleichnamigen Region in der Toskana verbunden, der er seinen Namen verdankt. Aufgrund der Unterteilung des Chianti Gebiets in verschiedene eigenständige Regionen, die ebenfalls die Bezeichnung Chianti tragen, ist die Verwechslungsgefahr sehr groß und daher mitunter unklar, was mit dem Begriff im Einzelfall gemeint ist. So werden die Begriffe Chianti, Chianti Classico und die übrigen Chianti-Herkunftsbezeichnungen oft miteinander verwechselt.

Kaum viel mehr als 1 % der gesamten italienischen Weinerzeugung trägt die Bezeichnung Chianti, und die meisten Italiener und Italienerinnen werden in ihrem Leben vermutlich nie Chianti getrunken haben. Auch wenn dies in der Toscana, der Heimat des Chianti, schon anders aussieht und er dort für viele Teil der Alltagsernährung ist, bedeutet dies noch lange nicht, daß der Chianti grundsätzlich ein belangloser Allerweltswein wäre. Bedauerlicherweise gibt es nach wie vor nur zu viele derartiger Abfüllungen. Doch erfreulicherweise gibt es auch den hervorragenden, wenn nicht bemerkenswerten Chianti. Dieser wird sich nie in einem fiasco finden, sondern in einer braunen Art Bordeaux-Flasche und er wird aus einem der Bereiche des Chianti putto, insbesondere aber aus dem Bereich des Chianti classico stammen.

 

Ursprung und Verbreitung

Die Ursprünge des Chianti reichen bis ins 13.Jahrhundert zurück. Ursprünglich war Chianti eine Bezeichnung für die Hügelzone um die Gemeinden Radda, Gaiole und Castellina im Zentrum des heutigen Chianti-Classico Gebiets. Seinerzeit waren die Rebensäfte dieser Region vorwiegend weiß, ehe sie um das Jahr 1430 zu Rotweinen wurden. Diese Gebietsbezeichnung wurde im Laufe der Jahrhunderte fast auf die gesamte Landfläche der heutigen Zentraltoskana ausgedehnt. Ebenso änderte sich auch die Zusammensetzung des Chiantiweins, der bis ins 19.Jahrhundert vor allem aus der Sorte Canaiolo hergestellt wurde.

Die Rezeptur des Baron Bettino Ricasoli für den Chianti aus dem Jahre 1872 sah nunmehr Sangiovese mit einem Anteil von 75 % als Hauptsorte und Canaiolo Nero sowie weiße Sorten wie Malvasia del Chianti als Nebensorten vor. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts zählte der Chianti zu den begehrtesten europäischen Weinen. Im Jahr 1984 erhielt die Region Chianti als eine der ersten italienischen Herkunftsbezeichnungen den DOCG-Status.

Ursprünglich war der Chianti ein Bauernwein, der in der traditionellen bastumflochtenen Flasche (fiasco) angeboten wurde. Als solcher war er fixer Bestandteil jeder italienischen Mahlzeit. In den 1970er und 1980er Jahren hatte diese Rotweinsorte mit großen Imageproblemen zu kämpfen. Mittlerweile haben der Chianti und ganz besonders der Chianti Classico diesen Charakter eines billigen Alltagsweins verloren. Diese Rotweine, insbesondere die Riserva, konnten sich als edle Tropfen und Sammlerobjekte erfahrener Weinkenner etablieren. Vor allem die Erneuerung der Rebflächen, der Ausbau in Barriques, die zunehmende Betonung des Sangiovese-Anteils und die Abfüllung in elegante Bordeauxflaschen konnten entscheidend zum qualitativen Aufstieg dieser Weinsorte beitragen. Auf internationaler Ebene besonders gefragt ist die Marke Chianti Classico, welche eine Exportquote von 70 % vorweisen kann.

 

Reifeverlauf & Wuchseigenschaften

Die Chiantiweine besitzen zwar allgemeine Charakteristika, definieren sich aber auch sehr stark über das jeweilige Terroir. So können die Tropfen der einzelnen Gebiete aufgrund unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit und klimatischer Bedingungen sehr verschiedenartig sein. Zudem gründet ihre Vielfalt aus der Zusammensetzung des Cuvees, das je nach Wahl und Verschnittverhältnis der einzelnen Rebsorten sehr unterschiedlich ausfallen kann. Chiantiweine werden hauptsächlich aus Sangiovese mit kleineren Anteilen Canaiolo oder internationalen Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah gekeltert.

Je nachdem, ob diese Rotweine als einfache Chiantiweine, als Chianti ihres jeweiligen Herkunftsgebiets oder als Chianti Classico vermarktet werden, kommen unterschiedlich strenge Qualitätsanforderungen zur Anwendung. Unabhängig davon müssen jedoch alle Chiantiweine entweder vollständig oder überwiegend aus Sangiovese-Trauben gekeltert werden.

 

Anbaugebiete

Mit einer Fläche von 24 000 Hektar ist die Weinbauregion Chianti die bedeutendste italienische Herkunftsbezeichnung. Das traditionelle und ursprüngliche Herkunftsgebiet ist das Weinbaugebiet Chianti Classico, das die Gemeinden Castellina, Gaiole, Greve und Radda beherbergt. Dieses DOCG-Anbaugebiet umfasst etwa 7200 Hektar Rebfläche in der Hügellandschaft zwischen Florenz und Siena. Da es sich um eine eigenständige DOCG-Appellation handelt, dürfen nur Tropfen aus dieser Kernregion die Bezeichnungen Chianti Classico oder Chianti Classico Riserva tragen. Bei diesen Rotweinen handelt es sich um die edelsten Exemplare der großen Chianti-Familie. Im Chianti Classico besteht ein eigenes Erzeugerkonsortium (Consorzio del Vino Chianti Classico), das seine Weine mit der Schutzmarke des „gallo nero“ (schwarzer Hahn) auszeichnet.

Die restlichen Anbaugebiete, die allesamt eigenständig sind und DOCG–Status genießen, sind Chianti Colli Fiorentini, Chianti Rufina,Chianti Montalbano, Chianti Colli Senesei, Chianti Colli Arentini, Chianti Colline Pisane und Chianti Montespertoli.

 

Ausbau und Geschmack

Die Bandbreite der Chiantiweine ist sehr groß und reicht von leicht bis gehaltvoll. Im Allgemeinen handelt es sich um mittelschwere, recht kräftig strukturierte Rotweine.

Der klassische Chianti ist sehr fruchtig mit Aromen von reifen Waldfrüchten wie Brombeeren, Blaubeeren, Johannisbeeren und Preiselbeeren. Zusätzlich kann er würzige Aromen wie Nelken, Leder, Teer und Tabakblätter entfalten. Typisch für diesen Rotwein ist auch sein pelziges Tannin, das je nach Qualitätsstufe stärker oder schwächer ausgeprägt ist.

Die Chiantiweine zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit und eine Reifephase von zwei bis fünf Jahren aus. Ihren geschmacklichen Höhepunkt erreichen die Qualitätsstufen wie die Riserva nach fünf bis acht Jahren. Ursprünglich Rubinrot, verfärbt sich der Chianti mit zunehmender Altersreife in Granatrot.

 

Chianti genießt man am besten zu…

Als Jungwein ist er der ideale Begleiter für alle Mahlzeiten. Die älteren Chianti und die Qualitätsstufe der Riserva harmonieren ganz besonders mit rotem Fleisch, Wildgerichten und pikanten Käsespezialitäten. Der Chianti Classico lässt sich auch gut mit Pilzgerichten kombinieren.