Farbe Aus der Farbe eines Weins, gegen das Licht, einen weißen Untergrund oder in der silbernen Tastevin (Probetasse) in Burgund betrachtet, lassen sich bereits eine ganze Reihe von Rückschlüssen auf seine Qualität und sein Alter ziehen. Ein guter Wein muß unbedingt klar und glanzhell sein. Bei trockenen Weißweinen schwankt die Farbe von sehr blaß bis zu einem kräftigen Goldgelb, wobei der junge Wein grünliche Schattierungen erkennen läßt. Regionale Faktoren, Rebsorten, Jahrgänge, Vinifikation und Ausbau haben jedoch erheblichen Einfluß auf die Farbe des Weins. Anders als beim Rotwein ist allerdings ein Mangel an Farbe im allgemeinen nicht negativ zu bewerten, eher ein Überschuß. So deuten eine Hochfarbigkeit, leichte bernsteinfarbene oder braune Schattierungen zumeist an, daß der Wein seinen Höhepunkt überschritten hat, bereits zu stark oxydiert ist bzw. rahn wird. Süße Weißweine weisen dagegen meist mehr Farbe auf, sind vielfach goldfarben, während eine Brauntönung ein zu weit fortgeschrittenes Alter signalisiert.
Die Farbschattierungen beim Rotwein reichen von purpur (allgemein ein junger und fast immer kein besonders hervorragender Wein) bis zum dunklen Rotschwarz (bei einigen norditalienischen Weinen und den französischen vins noirs, Cahors). Bei hervorragenden Weinen gibt die Intensität der Violettöne entscheidende Hinweise auf Jugendlichkeit und Lebenserwartung und auf die Qualität des Weins. Mit dem Altern nehmen die Orangeränder und schließlichen Brauntöne zu, wobei Spätburgunderweine im Alter eine rötlichbraune Tönung, die sog. Pelure d’oignon, annehmen.
Auch Roséweine haben ihre Unterschiede: von rosa bis orange, wobei im letzteren Fall der Wein deutlich zu alt ist. Je nach Herkunft, Rebsorte, Verfahren u. a. kann die Rosatönung sehr hell sein (deutsche Roséweine und Weißherbste, französische vins gis), um etwa in Apulien schon nahezu in ein Purpurrot überzugehen.