Flasche Sieht man einmal von Cubitainern, Tüten, Schläuchen und anderen Einfällen modernen Marketings ab, kommt Wein in der Regel in Flaschen in den Handel, d. h. in 0,75-l-Flaschen bzw. in halben Flaschen (0,375 l) oder in 1-l-Flaschen, um nur die gängigsten aufzuzählen. Traditionsreiche Weinbaugebiete haben im Laufe der letztenJahrhunderte ihre eigene, spezifische Flaschenform und -farbe herausgebildet. So werden Weine des Rheingaus traditionell in schlanken braunen Schlegelflaschen abgefüllt, jene von der Mosel in der gleichen, diesmal allerdings grünen Flasche. Die Weine Frankens kommen in den flachen, bauchigen Bocksbeuteln in den Handel, der heute wieder vielfach wie im 18.Jahrhundert braun und nicht grün ist.

In Frankreich kommen die Rot- und Weißweine Burgunds traditionellerweise in der typischen, olivgrünen Burgunderflasche in den Handel, die in Deutschland ebenfalls zumal für Spätburgunder-Rotweine verbreitet ist, aber vielerorts auch für Weiße und Graue Burgunder benutzt wird. In Bordeaux hingegen ist die Bordeauxflasche üblich, dunkelgrün für Rot- und trockene Weißweine, farblos für Sauternes-, seltener für trockene weiße Graves-Weine. Diese Bordeauxflasche hat sich mit geringen Abwandlungen international -am weitesten durchgesetzt. In Italien außer in Piemont und der Lombardei wird sie zunehmend für Rotweine, aber auch für Weißweine benutzt, wobei die Flaschenfarbe häufig Braun ist. Auch in Griechenland, Spanien und Portugal ist sie verbreitet, allerdings mit der Besonderheit, daß man in der Rioja die alkohol- und körperreicheren Rotweine in Burgunder- und die etwas leichteren und eleganteren Weine in Bordeauxflaschen abfüllt. Doch da jede Bodega ihre Kriterien für diese Wahl selbst definiert, lassen sie sich nur schwer verallgemeinern. Auch außerhalb Europas (Kalifornien, Australien, Neuseeland u. a.) ist die Bordeauxflasche überall zu Hause.

Daneben gibt es überall Spezialflaschen: die Flûte d’Alsace als schlankere und höhere Form der Schlegelflasche im Elsaß, aber auch in festgelegten weiteren Teilen Frankreichs sowie in der einen oder anderen Abwandlung als Spezialflasche in Deutschland, Österreich und anderswo; der Clavelin im französischen Jura; natürlich die klassische Champagnerflasche in der Champagne und überall auf der Welt für Schaumweine; die Keulenflasche in der Provence und in abgewandelter Form z. T. in den italienischen Marken für den Verdicchio dei Castelli di Jesi; die Albeisa in Piemont für Baiolo, Barbaresco u. a. Rotweine. Neben diesen und vielen anderen Flaschen findet man immer wieder Phantasieflaschen, obwohl es unbestritten ist, daß ein seröser Wein weder ein poppiges Etikett noch eine absurde Flaschenform benötigt, um auf sich aufmerksam zu machen. Tradition hat hier durchaus ihren guten Sinn und verdeutlicht, daß man sich mehr durch den Inhalt als durch die äußere Form unterscheiden will.

Für den Wein hingegen ist die Flaschenform gleichgültig. Allerdings wird der Weintrinker Wert darauf legen wollen, daß sich die Flaschen leicht stapeln lassen. Anders ist es hingegen mit der Flaschenfarbe, bei der sich angesichts der Lichtempfindlichkeit von Wein eine möglichst dunkle Tönung am ehesten empfiehlt. Nicht ganz belanglos ist schließlich auch die Flaschengröße. Je kleiner die Flasche ist, um so rascher altert der Wein. Nicht umsonst füllt man daher nicht nur von bemerkenswerten und großen Weinen in Bordeaux u. a. stets einen Teil der Erzeugung in Übergrößen ab. Die wichtigsten Übergrößen von Bordeauxflaschen sind: Magnum = 2 Flaschen; Double-Magnum = 4 Flaschen; Jeroboam = 6 Flaschen; Impériale = 8 Flaschen; Salmanazar = 12 Flaschen; Balthasar = 16 Flaschen; Nebuchadnezzar = 20 Flaschen.