Griechenland Soweit man das heute beurteilen kann, spielte der Wein in keiner Kultur des Altertums eine so große Rolle wie in der griechischen. Immer wieder ist in den klassischen Werken der Antike, in Literatur und Kunst, von Wein, von Rebstöcken und Weintrauben die Rede, vielleicht sogar noch häufiger als in der Bibel. Wein war im alten Griechenland nicht nur ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens, sondern auch die Grundlage eines religiösen Kults, bei dem Dionysos, der Gott des Weins, verehrt wurde.

Doch wie in so vielen anderen Fällen gibt es auch beim Weinbau keine bruchlose Tradition von der Antike bis zur Gegenwart. Der moderne griechische Weinbau datiert vielmehr erst aus den Anfängen dieses Jahrhunderts, und die heute maßgebenden gesetzlichen Bestimmungen stammen im wesentlichen aus der Zeit seit 1969 und zumal aus den Jahren seit Griechenlands EU-Beitritt 1979, der zur Angleichung an das EU-Weinrecht geführt hat. Heute gibt es in Griechenland wie in allen anderen Weinbauländern der EU Qualitätsweine (O.P.A.P., O.P.E.), Landweine (Traditioneller Wein), Tafelweine und Markenweine.
Wie in Italien und Frankreich geht auch in Griechenland die Anbaufläche für Wein zurück, während zugleich durch Einsatz moderner Methoden und Unterlagssorten der Ertrag steigt. Gegenwärtig dienen kaum noch 140 000 ha der Weinerzeugung, die jährlich gut 4 Mill. hl hervorbringen (noch einmal fast die gleiche Fläche dient der Erzeugung teils hervorragender Korinthen, Sultaninen und Tafeltrauben). 15 % der Fläche entfallen auf Qualitätsweine, zwei Drittel davon für Weißwein, doch entgegen der allgemein rückläufigen Tendenz befindet sich der Anteil roter Qualitätsweine im Steigen. 80 % aller griechischen Weine kommen heute fast zu gleichen Teilen aus drei Weinbauregionen: Zenralgriechenland und Euböa, Peloponnes und Kreta, während der Anteil der übrigen sechs Regionen z. T. sehr stark rückläufig ist. So liegt der Anteil der Ägäischen Inseln und Thessaliens heute bei knapp 7 bzw. 6 %; für Makedonien und die Ionischen Inseln beträgt er gut 4 bzw. 3 %, während Thrazien und Epirus von der griechischen Weinkarte zu verschwinden drohen.
Noch ein paar weitere Zahlen mögen das außerhalb des Landes verbreitete Bild griechischer Weine korrigieren helfen, das nur zu oft den Eindruck schwerer, süßer Weine vermittelt. Diese gibt es zumal im Norden des Peloponnes und auf einigen Ägäischen Inseln, in der Umgebung von Patras, auf Samos und anderswo. Doch obgleich sie in der Tat beachtenswert sein können, entfallen nur 5,3 %  auf diese Likörweine.
Bei den verbleibenden 94,7 % handelt es sich um durchweg trockene Weiß-, Rot- und Roséweine, von denen derzeit ca. ein Viertel auf Flaschen gefüllt und in den Handel gebracht werden, zu über 50 % von fünf Firmen: Kourtakis, Achaia Clauss, Cambas, Boutari und Tsantalis. Während ein erheblicher Teil dieser Weine als Retsina in den Handel kommt (10 % der griechischen Weinbaufläche dienen seiner Erzeugung),
lassen die übrigen griechischen Weißweine noch häufig Frucht und Frische vermissen, dürften aber bei zunehmender Verbesserung des Kenntnisstandes der Erzeuger Beachtung verdienen, wie heute bereits der bemerkenswerte Athos, der Cava CambasChâteau Matsa, der Matras,  Côtes de Meliton, Robola de Cephalonie, Kantza, Mantinia, Zitsa u. a. In ihren Spitzen sind die Rotweine den Weißweinen zumeist qualitativ überlegen. Das gilt insbesondere für den unvergleichlichen Katoi de Metsovo, einen wahrhaft großen Wein, und ebenfalls für einen gelungenen Château Carras. Unter den Qualitätsweinen überragt der Nemea, aber auch der Goumenissa, Naoussa, Côtes de Meliton, Peza, Archanes u. a. können hervorragend sein.
Wenngleich dem griechischen Weinbau eine sinnvolle Modernisierung dienlich wäre und es derzeit den Weinen häufig noch an Finesse und Differenziertheit fehlen mag, zeichnen sie sich doch durch einen für südeuropäische Verhältnisse eher moderaten Alkoholgehalt (11 – l2,5 % vol. sind die Regel), einen schönen Körper und mitunter beachtliche Rasse aus, wodurch sie ideale Begleiter nicht nur der griechischen
Küche sind und vielfach auch außerhalb der Mahlzeiten genossen werden können. Doch wie im Falle anderer Länder findet sich der bessere griechische Wein selten in den so verbreiteten 2-l-Flaschen; Dionysos würde sicherlich der 0,75-l-Flasche den Vorzug geben.