Großlage Nach dem deutschen Weingesetz von 1971 stellt eine Großlage die Zusammenfassung mehrerer Einzellagen dar, deren Namen auf dem Etikett angegeben werden darf, was letztlich nur Verwirrung stiftet, da für den Laien angesichts jeder fehlenden Klarstellung nicht erkennbar ist, was Groß- und was Einzellage ist. Ein Saint-Julien oder ein Côte de Beaune-Villages ist erkennbarerweise ein Wein, der nicht von einer bestimmten Lage stammt und mithin in der Regel von geringerer Qualität sein wird als der Wein eines bestimmten cru. Ein Rauenthaler Steinmächer, Wiltinger Scharzberg oder Niersteiner Gutes Domtal gibt lediglich vor, klar bezeichnet zu sein, ist es aber in Wirklichkeit nicht. So etikettierte Weine können nicht nur wie im Fall des erwähnten Côte de Beaune-Villages aus einer Vielzahl von Orten und Lagen stammen, ein Wiltinger Scharzberg wird zudem trotz seines Namens in der Regel nicht aus Wiltingen, sondern eher von einer weniger bedeutenden Gemeinde kommen. Nur eine einzige der 28 zur Großlage Gutes Domtal gehörenden Einzellagen liegt in Nierstein, und dennoch schmücken sich alle unter diesem Namen angebotenen Weine mit dem illustren Namen Niersteins und suggerieren dem unkundigen Käufer, daß er einen Niersteiner Wein kauft. Was immer die Qualität dieses Weines ist, ist die Bezeichnung eine bewußte Täuschung des gutgläubigen Kunden und daher rechtlich ein eindeutiger Widerspruch zu der gesetzlich postulierten »Wahrheit und Klarheit«. Statt diese Verwirrungen und bewußten Irreführungen, die mit einem wirklich qualitätsorientierten Weinbau unvereinbar sind, endlich zu beseitigen und dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, ist es unbegreiflich, daß der Deutsche Bundestag 1994 trotz massiver Widerstände auf der Beibehaltung dieser unseligen Kategorie bestanden hat.
Mutatis mutandis gilt das gleiche für österreichische Weine, wo das Weingesetz von 1993 ebenfalls die Großlage neuerlich sanktioniert hat.