Haut-Médoc Wenn man von den herausragenden roten Bordeaux-Weinen spricht, ist der Haut-Médoc, den man durchweg auch dann meint, wenn man lediglich Médoc sagt, der qualitativ bemerkenswerteste Bereich. Er liegt auf dem linken Gironde- und Garonneufer oberhalb des heute lediglich Médoc genannten unteren Teils der Halbinsel und erstreckt sich von Saint-Seurin-de-Cadourne im Norden bis Blanquefort im Süden, unmittelbar vor den Toren Bordeaux‘. Die Böden sind mehr oder weniger stark kieshaltig und sandig, wobei im südlichen Haut-Médoc feiner weißer Garonnekies anzutreffen ist, der im nördlichen Haut-Médoc zunehmend gröberem gelblichem Kies weicht. Rund 7 550 ha sind mit Reben bestockt, von denen rund zwei Drittel auf die sechs Gemeindeappellationen des Haut-Médoc entfallen: Saint-Estèphe, Pauillac, Saint-Julien, Margaux, Moulis und Listrac-Médoc. Hier ist das Reich des Cabernet Sauvignon, der in der Regel einen Flächenanteil pro Gut von 65 – 70, z. T. bis 85 % erreicht und unterstützt wird durch Merlot, Cabernet franc und Petit Verdot. Weißweine werden nur in Ausnahmefällen erzeugt und müssen dann, gleich von welchem Gut, als Bordeaux AC in den Handel gebracht werden. Die zulässigen Grunderträge liegen derzeit bei 48 hl/ha (für die Appellation Haut-Médoc) bzw. 45 hl/ha (für die Gemeindeappellationen), werden aber je nach Jahrgang in der Praxis überschritten (Ertrag).
Der Haut-Médoc ist das Gebiet der berühmten Klassifizierung von 1855,mit der die Spitzengüter dieses Bereichs in fünf Klassen eingeteilt wurden. Ungeachtet vielfacher Veränderungen der Zwischenzeit, gilt diese Klassifizierung offiziell heute noch und ist lediglich durch die Klassifizierung der premiers crus von 1973 einmal seither (in einem Punkt) offiziell geändert worden. Während diese Klassifizierung der premiers crus von 1973 offiziell in alphabetischer Reihenfolge erfolgte, wurden die 2. bis 5. Gewächse 1855 in der in der Tabelle wiedergegebenen Reihenfolge aufgeführt. Obwohl nie offiziell ein Grund für diese Reihenfolge genannt wurde, kann man davon ausgehen, daß sie eine Rangordnung ausdrücken sollte, was jedoch stets dementiert wurde.
Unterhalb dieser klassifizierten Gewächse ist die große Zahl der crus bourgeois angesiedelt, deren beste heute durchaus Weine auf dem Niveau 5. Gewächse zu erzeugen vermögen.
Insgesamt sind die Weine des Haut-Médoc mehr oder weniger kraftvoll und tanninreich, wobei sie innerhalb des Gebietes von Süden nach Norden vielleicht etwas an Feinheit abnehmen, dafür an Kraft und Kern gewinnen. Auch wenn sie heute in ihrer Jugend nicht mehr so unnahbar und abweisend sind, wie dies vor 10 – 15 Jahren noch eher die Regel war, reifen sie je nach Jahrgang langsam, sind dann aber auch in der Regel sehr langlebig. Auch die einfacheren Weine sollte man im allgemeinen nicht trinken, bevor sie etwa 5 Jahre alt sind, während Spitzengewächse in außergewöhnlichen Jahrgängen auch heute noch 10 – 15 Jahre und z. T. mehr benötigen, um ihren Höhepunkt zu erreichen. Dann aber zählen sie zu den größten Rotweinen der Welt, die keinen Vergleich mit Rotweinen anderer Provenienzen zu fürchten brauchen.