Eine der erfolgreichsten Neuzüchtungen der vergangenen hundert Jahre.

 

Kerner (Rebsorte, weiß)

Weintrauben der Weißwein Rebsorte Kerner

Kerner (Rebsorte, weiß)

Der Kerner ist eine aus Weinsberg stammende Neuzüchtung aus Trollinger x Riesling, die einen guten Weißwein liefert, der dem Riesling ähnlich gilt, jedoch würziger als dieser ist, zumeist aber nicht über dessen Rasse verfügt. Seit dem Müller-Thurgau entwickelt er sich mehr und mehr zur erfolgreichsten Neuzüchtung, mit der inzwischen 7704 ha bestockt sind – womit er seinen Zenith möglicherweise bereits überschritten haben könnte -, vor allem in der Pfalz und in Rheinhessen (zusammen fast zwei Drittel), während sich ein weiteres Viertel auf Mosel-Saar-Ruwer und Württemberg verteilt. Der Kerner rangiert damit nach dem Müller-Thurgau und dem Riesling und noch vor dem Silvaner auf dem dritten Platz der deutschen Sortenliste.

Die Weinrebe im Allgemeinen ist mehr als 80 Millionen Jahre alt. Sie tritt in mehr als 5000 Spielarten auf. Seit der Müller-Thurgau-Rebe war keine Züchtung der letzten hundert Jahre so erfolgreich wie der Kerner, der inzwischen die vierthäufigste deutsche Traubenart ist. Man nennt ihn auch den „kleinen Verwandten des Rieslings“.

 

Die Hauptmerkmale des Kerner

  • junge württembergische Züchtung (Trollinger x Riesling), benannt nach dem Arzt und Dichter Justinus Kerner
  • seltene Variante aus roter und weißer Rebsorte, reift früh bis mittelspät
  • liefert ausgezeichnete Prädikatsweine
  • kraftvoll im Körper und mit guter Säure, fruchtige, würzige Weine mit feinem Bukett
  • ähnelt dem Riesling in Lebendigkeit und Ausgewogenheit

 

Ursprung und Geschichte der Rebsorte Kerner

Die Rebsorte Kerner ist eine Züchtung der staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein und Obstbau (LVWO) im württembergischen Weinsberg aus dem Jahr 1929 – eine Kreuzung aus blauem Trollinger und weißen Rieslingsorten, die erst später, seit dem 12.06.1969 geschützt und damit für den Qualitätsanbau zugelassen worden ist. Um nicht immer weiter mit der Zuchtnummer „We S 25-30“ bezeichnet zu werden, bekam die ergiebige und froststabile Kellertraube den Namen des schwäbischen Oberamtsarztes, Dichters und Weinliebhabers Justinus Kerner aus Weinsberg bei Heilbronn. Besagter Justinus Andreas Christian (von) Kerner (* 18. September 1786 in Ludwigsburg; † 21. Februar 1862) hatte einst im Jahr 1816 die Volkswaise „Wohlauf noch getrunken den funkelnden Wein“ getextet.

 

Die größten Anbaugebiete

Die Anbauareale der Rebsorte Kerner liegen überwiegend in der Pfalz, auf den weiten Flächen vor dem Pfälzer Wald, die eher an Felder als an Weinberge erinnern. Hier im Umfeld der Deutschen Weinstraße, die bei Bockenheim westlich von Worms beginnt und nach etwa 80 Kilometern am deutschen Weintor an der Grenze zum Elsass endet, eignen sich die insgesamt 24 000 ha Rebfläche besonders gut für moderne Anbaumethoden. Im Nordosten Schwemmsand, ganz im Süden Buntsandstein, ansonsten Lößlehm mit Kalk und Letten (schluffiger bis sandiger Ton) sind geeignete Bodenverhältnisse für den erfolgreichen Weinbau. Neben Müller-Thurgau, Riesling, Silvaner, Scheurebe, Portugieser und Dornfelder wird die Rebsorte Kerner mit mehr als 10 Prozent Flächenanteil im Weinbaugebiet Pfalz auf hohem Niveau kultiviert. Darüber hinaus wird die relativ junge Rebe in Rheinhessen und in Österreich gepflegt. Insgesamt gibt es derzeit etwa 6.000 ha Kerner-Fläche, davon 3.474 ha in Deutschland.

 

Der Ausbau

Die Kerner-Rebe gedeiht auf moderat durchfeuchteten Böden ohne Staunässe. An die Beschaffenheit der jeweiligen Anbauareale stellt die Rebsorte keine besonders hohen Ansprüche; luftige Lagen sind besser als taufeuchte Niederungen geeignet. Durch die relativ lange Reifezeit bis in den Spätherbst hinein kommen Mostgewichte zustande, die über denen des Rieslings liegen (durchschnittliche allgemeine Ernteresultate von 1975 bis 2010: 83,0 ° Oechsle Mostgewicht, 8,7 g/l Mostsäure).

Die Rebsorte Kerner weist eine gewisse Anfälligkeit dem Echten Mehltau ((E.necator) auf. Neben dem Odiumbefall kann eine verstärkte Geizbildung mit der einhergehenden Gefahr von relativen Laubwandverdichtungen auftreten, die eine sorgfältige Laubarbeit verlangt. Durch ein hohes quantitatives und ein sicheres qualitatives Leistungsniveau werden diese vermeidlichen Schwachpunkte der Kerner-Rebe jedoch weitgehend kompensiert.

Zuweilen kommt der Rebsorte Kerner immer noch das Image einer Neuzüchtung zu. Dem soll mit der „Justinus-K.“-Sonderlinie entgegengewirkt werden. Dieses Projekt der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau hat zum Ziel, den Kerner-Wein weiter zu profilieren und dessen enormes Potenzial deutlich zu veranschaulichen. Das mit dem Projekt „Justinus K.“ verbundene Label ist an besonders hohe Qualitätskriterien gebunden.

Darüber hinaus ergaben Züchtungsprogramme und Ertragsauswertungen des Praxisanbaus durch die Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in den Jahren 1977 bis 2010 eine durchschnittliche Ertragshöhe von 66 hl/ha Anbaufläche mit 92,0 ° Oechsle Mostgewicht und 6,9 g/l Mostsäure.

 

Der Geschmack

Beginnend mit dem Auspressen der Trauben ohne ihre Schalen bis zur Vergärung wird ein guter Kerner im Keller erzeugt. Ergebnis der sorgsamen Behandlung sind überall beliebte weiße Kernerweine, die sich durch eine feinfruchtige und rassige Art auszeichnen. Zuweilen weisen sie eine leichte Muskatnote auf (langjährig 20,10 g/l zuckerfreier Extrakt). So kann der Wein sowohl halbtrocken als auch trocken ausgebaut werden, wobei Weinkenner gerade dann von einem schönen, süffigen Charakter sprechen. Innerhalb der Qualitätsstufe Spätlese weist Kerner ein mehr ansprechendes Bouquet auf als sein Vaterwein, der Weiße Riesling. Im Allgemeinen liegt die Farbe des Weins zwischen Maisgelb und einem besonders hellen Gelb. Durchaus sind säurebetonte sowie feinaromatisch-fruchtige Aromen anzutreffen, die Anklänge an Orangen, Schwarze Johannisbeeren und grüne Äpfel vorweisen.

 

Kerner Wein genießt man am besten zu…

Kerner ist ein frischer, schöner Solowein. Gern wid er zu exklusiven Vorspeisen wie Antipasti und leichten, sommerlichen Salaten serviert. Luftig wie der Sommer begleitet er auch fröhliche Grillfeste.

Darüber hinaus ist die Rebsorte der beste Begleiter heller, leichter Speisen aus Geflügelfleisch sowie Lamm-, Kalb- oder magerem Schweinefleisch. Als Spätlese ist Kerner eine verführerische Ergänzung schöner Desserts. Die zarte bis rassige Säure des Weins ergänzt zudem Gerichte mit verschiedenem, milden Käse.