Duftende Zaubertraube mit Geburtsjahr und Weinvater.

 

Scheurebe (Rebsorte, weiß)

Die Beeren der weißen Rebsorte Scheurebe.

Scheurebe (Rebsorte, weiß)

Die Scheurebe ist eine der verbreitetsten Neuzüchtungen, aus Silvaner x Riesling (mitunter nach der Zuchtnummer S 88 genannt), die zwar inzwischen ebenfalls ihren Höhepunkt überschritten hat, mit der aber immerhin noch 3688ha in Deutschland bestockt sind, womit sie an 7. Stelle der Sortenliste steht. Ihre größte Verbreitung findet sie nach wie vor in Rheinhessen (wo sie nahezu ein Zwölftel der Rebfläche und nach Müller-Thurgau, Silvaner, Kerner und Riesling den fünften Platz einnimmt) und in der Pfalz. In Österreich hat die Scheurebe als einzige deutsche Neuzüchtung, abgesehen vom Müller-Thurgau, einige Anhänger gefunden, so dass hier inzwischen auf sie rund 300 ha entfallen. Die Weine fallen durch ein intensives, an schwarze Johannisbeeren erinnerndes Bukett auf.

Die mittelgroße, weiße Traube gedeiht an einem starken Rebstock. Sie trägt Beeren in grün-gelben Tönen und von dichter Formation. Ihre Traubenschale ist sehr fest. Im Gegensatz zu vielen anderen Rebsorten hat die Scheurebe einen berühmten Vater, der der Nachwelt namentlich bekannt blieb. Der Rebzüchter Georg Scheu verband bei seiner Suche nach neuen Sorten die populären Rebsorten Riesling und Silvaner. Der Erfolg stellte sich 1916 ein. Die neue Rebsorte aus dem Sämling S 88 wurde geboren. Erste Belege über den Anbau von Riesling stammen aus dem 15. Jahrhundert. Beim dem aus der Alpenregion stammenden Silvaner gibt es im 17. Jahrhundert die ersten Erwähnungen. Beide Rebsorten wurden schon lange vor ihrer schriftlichen Erwähnung angebaut. Wie viele anderen Rebsorten wurde die Scheurebe in den neunziger Jahren mittels DNA-Analyse untersucht. Das Ergebnis der Analyse nennt aktuell anstelle des Silvaners die Bukettraube als Ursprung. Sie entstand ebenfalls aus einer Züchtung und vereint Silvaner und Trollinger. Wichtige Quellen wie das Deutsche Weininstitut führen nach wie vor die Rebsorten Riesling und Silvaner als Ursprungssorten der Scheurebe an.

 

Die Hauptmerkmale der Scheurebe

  • Silvaner x Riesling; Pfälzer Züchtung
  • spätreif
  • bringt in besseren Lagen ausdrucksvolle Weine mit rassiger Fruchtsäure hervor
  • interessantes volles, kräftiges Bukett, das bei entsprechender Lage und Jahrgang im fülligen Duft an schwarze Johannisbeeren und Holunderblüten erinnert
  • liefert bei hoher Reife hervorragende Prädikatsweine, besonders Beeren- und Trockenbeerenauslesen

 

Ursprung, Geschichte und Bedeutung der Scheurebe

Georg Scheu war in der Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey tätig. Bis seine erfolgreiche Züchtung zur Scheurebe wurde, vergingen viele Jahre. Die Ehrung des hartnäckigen Züchters fand 1950 mit der Namensgebung Scheurebe statt. Zuvor trug sie prosaische Namen wie Sämling oder S 88. Die Konsumenten der fünfziger Jahre schätzten liebliche Weissweine und edelsüße Beernauslesen. Das kam der wandlungsfähigen Scheurebe sehr entgegen. Die steigende Nachfrage an diesen Weinen hielt bis in die siebziger Jahre an und führte zur Verdopplung der Anbaufläche. Bei den Weinen aus der Scheurebe überwiegen bis heute die süßen und lieblichen Varianten. Die Scheurebe ist jedoch vielseitig. Und so bedient diese Rebsorte den Geschmackswandel der Konsumenten hin zu trockenen Weißweinen ebenfalls. Mit dem Aufstieg des Sauvignon Blanc zum Modewein wurden die Weine aus der Scheurebe ein weiteres Mal entdeckt. Geschmacklich bieten beide Sorten sehr ähnliche Überraschungen.

 

Die bedeutendsten Anbaugebiete

Die größte Anbaufläche der Scheurebe liegt in Rheinhessen. Das „Land der tausend sanften Hügel und 100.000 Rebstöcke“ ist auch das größte deutsche Weinanbaugebiet. Zwei Drittel der rheinhessischen Weinproduktion widmen sich dem Weißwein. Der Rest der 26.500 ha Fläche wird zur Produktion von Rotwein genutzt. Auf die Scheurebe entfallen im Anbaugebiet Rheinhessen rund 1.000 ha der Fläche. Weitere Anbaugebiete dieser Rebsorte liegen in der Pfalz, an der Nahe sowie in Baden und Franken. Mit rund 1.600 Sonnenstunden pro Jahr ist Rheinhessen das ideale Anbaugebiet. Die Scheurebe orientiert sich in Sachen Klima an Riesling und Silvaner. Sie gedeiht im sommerwarmen und wintermilden Klima Rheinhessens bestens. Die kargen Böden von mäßiger Trockenheit bieten mit einem Mix aus Löss, Kalkstein, Ton, Mergel, Sand und Porphyr sehr gute Bedingungen. „Klein aber fein“ ist die Menge an jährlich produzierten Scheurebe-Weinen. Geschmacklich und qualitativ ist sie hochwertig und erfreut sich steigender Nachfrage.

 

Ausbau & Geschmack

Die vielseitige Scheurebe kommt als junger Wein, ganz traditionell als hochwertige Spätlese und in den letzten Jahren auch als halbtrockener Winzersekt in den Verkauf. Alle Weine der Rebsorte sind Qualitätsweine. Die Beeren- und Trockenbeerenauslesen eignen sich hervorragend zur Lagerung und können während dieses Prozesses eindrucksvolle Duftnuancen von Rose und Pfirsich entwickeln. Viel Aufmerksamkeit gilt den jungen Weinen, die trocken oder halbtrocken produziert werden. Sie sind bukettbetont und verfügen über weineigene Kohlensäure. Dank dieser Charakteristik liegt es nahe, auch halbtrockene Winzersekte von hervorragender Qualität zu produzieren. Das vereinende Merkmal aller Scheurebe-Produkte ist die Note von schwarzer Johannisbeere. Hinzu kommen Nuancen von reifer Birne, feinem Pfirsich und exotischen Früchten. Diese Weine können ein fantasievolles Menü von A-Z begleiten.

 

Scheurebe genießt man am besten zu…

Wie wäre es also mit einem Glas feinperligem Winzersekt zur Begrüßung, um anschließend gemeinsam zu speisen? Der Sekt ist ein klassischer Willkommenstrunk. Auch er punktet mit Aromen von Cassis und Grapefruit. Die halbtrockenen Spitzenprodukte werden wie hochwertiger Champagner nach der Methode der Flaschengärung produziert. Die Mindestlagerzeit beträgt neun Monate. Zu aromaintensiven Küchenrichtungen wie der asiatischen passen halbtrockene Spätlesen perfekt. Sie sind ein guter Begleiter von kräftigen Ragouts und würzigem Käse. Eine junge, trockene Scheurebe mit zarter Säure und einem Touch Exotik ist der frische Begleiter leichter Sommergerichte. Spargel und Fisch, Salate und Geflügel freuen sich über die harmonische Weinbegleitung. Das ist die moderne Scheurebe, die sich als Wein für nahezu jede Gelegenheit eignet. Beerenauslesen harmonieren mit allen Desserts und ganz speziell zu Gebäck mit intensiven Aromen wie Zimt, Anis und Vanille.