Eine Edelrebe mit blauen Trauben als Spender einer verführerischen Köstlichkeit.

 

Spätburgunder Beeren (Rebsorte, rot)

Beeren der Rotwein Rebsorte Spätburgunder / Blauer Burgunder.

Spätburgunder (Rebsorte, rot)

Der Spätburgunder gilt als die in Deutschland am häufigsten angebaute Rotweinsorte. Der zur Burgunder-Rebsorte gehörende Wein ist auch unter dem Namen Pinot Noir, Blauburgunder oder Schwarzburgunder bekannt. In elf der dreizehn deutschen Anbaugebiete gehört er zu den Classic-Weinen, womit dieser hochwertige Rotwein in die Reihe sortenreiner, regionaltypischer Weine eingestuft wird. Die Rebsorte Spätburgunder stellt hinsichtlich ihrer Wuchsbedingungen hohe Anforderungen an Boden und Klima, erfordert einen hohen Arbeitsaufwand und nicht zuletzt erfahrene und ehrgeizige Winzer. Der Spätburgunder wird in Österreich meist und in der Ostschweiz durchgängig als Blauer Burgunder oder Blauburgunder bezeichnet, aus der die besten der mitunter ausgezeichneten deutschen, wenige österreichische und etliche der besten schweizerischen Rotweine erzeugt werden. Sie ist die rote Rebsorte der Ostschweiz, wo derzeit nahezu 1700 ha im Ertrag mit ihr stehen, während in Österreich lediglich an die 400 ha mit ihr bestockt sind.

Hat man noch in den 1970er Jahren aus dem Spätburgunder in Deutschland durchweg eher milde und samtige Weine erzeugt, die gleichermaßen schwach in Farbe, Körper, Alkohol und ihrem Pinot-Charakter waren und mit ihren bemerkenswerten Vettern aus Burgund kaum mehr als den Namen teilten, so sind in den letzten Jahren einige höchst beachtenswerte, farb-, tannin- und körperreiche, gehaltvolle Spätburgunder-Rotweine in Deutschland, häufig mittels Barriqueausbau erzeugt worden, die hinreichend dokumentieren, dass sich hier auch ernst zu nehmende Rotweine erzeugen lassen.

 

Die Hauptmerkmale des Spätburgunder

  • wird auch Blauer Burgunder, Blauburgunder, Pinot nero (Italien), Pinot noir (Frankreich) genannt
  • wichtigste deutsche Rotweinsorte
  • stammt ursprünglich aus dem Burgund
  • hat hohe Lagenansprüche, bevorzugt warme, tiefgründige, lockere und fruchtbare Böden
  • auf skelettreichen Vulkanverwitterungsböden feurige, gehaltvolle Weine, auf Lössböden fruchtigere Typen
  • ermöglicht körperreiche, vollmundige und samtige Spitzenweine, die bei relativ hohem Alkoholgehalt und etwas geringerer Farbe mit einer typischen Burgunderfrucht an Brombeer oder Kirsch erinnern
  • milde Säure, auch gut für Weißherbst geeignet
  • gute Lagerfähigkeit

 

Ursprung, Geschichte und Bedeutung der Rebsorte Spätburgunder

Bereits in einem, wenige Jahre nach der Zeitenwende unter dem Titel „De re rustica“ verfassten Ratgeber für die Landwirtschaft wird eine Rebsorte beschrieben, die etwa dem heutigen Spätburgunder gleichkommt. Aus mit Genanalysen verbundenen Nachforschungen kann außerdem mit hoher Wahrscheinlichkeit abgeleitet werden, dass diese Weinsorte in nahezu direkter Linie von einer einst im westlichen Mitteleuropa vorkommenden Wildrebe abstammt. Der erste schriftliche Beleg für die Existenz dieser Sorte datiert aus dem Jahr 884, als Kaiser Karl VIII. Pinot-Noir-Rebstöcke aus dem Burgund unter dem Namen „Clävner“ an den Bodensee bringen ließ. In Burgund selbst wurde die bereits lange vorher kultivierte Rebsorte erstmals schriftlich in einem Dokument aus dem Jahr 1375 erwähnt.

Dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich bereits ab dem 12. Jahrhundert die Mönche des im Burgund gegründeten Zisterzienserordens große Verdienste um die Kultivierung des Pinot Noir erwarben. Sie erkannten die Abhängigkeit der Geschmacksnuancen von den unterschiedlichen Bodenkompositionen und schufen daraus abgeleitet die Grundlage für die Appellationen in der Weinherstellung. Ihr aus den Trauben des Weinberges Clos de Vougeot gekelterter Rotwein wurde dabei im 14. Jahrhundert zum begehrten Rotwein der Päpste, die sich zu dieser Zeit im Exil in Avignon befanden.

In Deutschland verbreitete sich der Spätburgunder in größeren Zeitabständen. So erfolgten die ersten Pflanzungen in Rheingau im 13. Jahrhundert, gilt das 16. Jahrhundert als Zeitraum seiner Einführung im Gebiet der Pfalz und gelangte er im 18. Jahrhundert an die Ahr. Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Herstellung von Sekt beziehungsweise Champagner einen großen Aufschwung erfuhr, nahm die Anpflanzung der Rebsorte Spätburgunder als Grundwein für die Sektproduktion beträchtlich zu. Die Bedeutung des Spätburgunders für die Sektherstellung besteht bis heute fort. Gekeltert als Spätburgunder weiß, rosé oder rot gehört er neben der Rebsorte Riesling zu den begehrtesten Grundweinen für Sekt.

 

Die bedeutendsten Anbaugebiete

Die Trauben der Rebsorte Spätburgunder stehen im Ruf, eine besonders sensible Behandlung zu erfordern. Die Reben lieben keine starken Temperaturschwankungen, dafür jedoch die sonnigen Südhänge in den eher etwas kühleren Weinbaugebieten. Diese Bedingungen erfüllen sowohl die französische Region Burgund als auch die meisten deutschen Weinbaugebiete. Bevorzugt wird weiterhin ein fruchtbarer und besonders kalkhaltiger Boden, sodass von durchaus schwierigen Anbaubedingungen und hohen Ansprüchen an Klima und Boden gesprochen werden kann.

Die dünnhäutigen Beeren der Weintrauben erfordern eine feinfühlige Behandlung während des Wachstums- und Reifeprozesses und während der Lese. Stärkere Klimaschwankungen führen zur Verkümmerung der Beerenfrüchte. Außerdem sind diese sehr anfällig gegen Krankheiten wie Mehltau oder Rohfäule. Da die Reben des Spätburgunders schon sehr früh ihre Triebspitzen ausbilden, sind diese besonders gefährdet durch Spätfrost.

Größtes Anbaugebiet ist mit etwa 30.000 ha Frankreich, woran Burgund und die Champagne den Hauptanteil besitzen. Der US-amerikanische Bundesstaat Kalifornien folgt mit rund 13.000 ha auf Platz zwei. Den dritten Platz behauptet die circa 12.000 ha umfassende Rebfläche des Spätburgunders in Deutschland. Über die Hälfte davon entfällt auf das Bundesland Baden-Württemberg, mit größerem Abstand folgen die Anbaugebiete der Pfalz und Rheinhessen. Sie nehmen insgesamt über 10 Prozent der gesamten Rebfläche des Landes ein.

Weitere bedeutende Anbaugebiete mit 3.000 bis 5.000 ha Fläche liegen in Neuseeland, Australien, der Schweiz und in Italien.

 

Ausbau & Geschmack

Der Ausbau des Spätburgunders erfolgt vorrangig als trockener Rotwein. Dessen Geschmack lässt sich als vollmundig und samtig mit einem fruchtigen Aroma charakterisieren, der leicht an bitter Mandeln erinnert. Auch haben Weine mit einer gewissen Restsüße und Roséweine ihre Liebhaber gefunden. Wie bereits erwähnt wird Spätburgunder auch für die Produktion von Sekt ausgebaut. Aus unmittelbar nach der Lese ausgepressten dunklen Trauben, deren Gärprozess noch nicht begonnen hat, wird so auch der als „Blanc de Noirs“ bekannte Weißwein produziert.

Die ganz auf eine hohe Qualität ausgerichtete Tätigkeit der Winzer hat dazu geführt, dass neben dem traditionellen Typ des Spätburgunders heute auch ein moderner Typ gekeltert wird. Für den klassischen Spätburgunder kommen hochreife Trauben zum Einsatz, die einen eher milden, gerbstoffarmen, von wenig Farbintensivität gekennzeichneten Wein ergeben. Dessen Lagerung erfolgt oft im sogenannten Barrique, einem Eichenfass, dessen Holz eine an Vanille und Zimt erinnernde Geschmacksnote abgibt. Moderne Weine zeigen sich dagegen von intensiverer Farbe, besitzen mehr Gerbstoff und weniger Säure und werden meist nur kurzzeitig in kleineren Eichenfässern gelagert.

 

Spätburgunder Wein genießt man am besten zu…

Spätburgunder eines jungen Alters zeichnet sich durch einen an dunkle Früchte wie Brombeeren, Kirschen und Johannisbeeren erinnernden Geschmack aus. Bei älteren Weinen dominiert eine an Nüsse erinnernde Geschmacksnote mit einem zarten Bitterton.

Getrunken wird der auf eine Temperatur zwischen 16 und 18°C chambrierte Rotwein besonders gern zu einem kräftigen Braten, zu Wild oder einer Käseplatte.